Schmerzen

Wie wird man Fersenschmerzen wieder los?

Viele Millionen Deutsche haben Fersenschmerzen infolge von übermäßiger Belastung. Meist dauern die Beschwerden über mehrere Monate an. Life Goes On zeigt, welche Behandlungsoptionen Patienten mit einer entzündeten Ferse helfen können.

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Einer der häufigsten Ursachen für stechende Fersenschmerzen ist eine entzündete Sehnenplatte in der Fußsohle, eine sogenannte Plantarfasziitis. Sie entsteht, wenn der Fuß für einen längeren Zeitraum stark belastet wird. Meist ist es die Folge von Überbeanspruchung beim Sport, starkem Übergewicht, stehenden Berufen oder Fehlstellungen des Fußes (Hohl- und Plattfuß). Schmerzen treten anfangs nur bei Belastung auf, vor allem zu Beginn, Mediziner sprechen von Anlaufschmerz. Später schmerzt es auch in Ruhe. Von außen scheint der Fuß gesund. Wer Fersenschmerzen hat, sollte dies nicht auf die leichte Schulter nehmen, denn sie können sich über Monate bis Jahre hinziehen und zudem leicht chronisch werden.

Im Ultraschall ist die Plantarfasziitis durch eine verdickte Plantarfaszie erkennbar, statt drei bis vier ist sie bei Betroffenen sieben bis zehn Millimeter dick. Ein MRT oder eine Röntgenaufnahme können noch mehr Aufschluss über das Ausmaß der Erkrankung bieten. Bei vielen Patienten wird dadurch zusätzlich ein Fersensporn entdeckt, ein knöcherner Vorsprung am Fersenbein.

Schonen und dehnen

Trotz vieler Behandlungsoptionen dauert es oft, bis sich Erfolg einstellt. Das Wichtigste ist zunächst den Fuß zu entlasten und tägliche Dehnübungen, wie beispielsweise den Fuß über eine Flasche rollen. Spezielle Schuheinlagen und Massagen im Rahmen einer Physiotherapie sind ebenfalls sinnvoll. Bei sehr starken Beschwerden können auch nicht-steriodiale Antirheumatika oder Kortisonspritzen nötig sein. „Doch bei zehn Prozent der Patientinnen und Patienten halten die Beschwerden trotz therapeutischer Maßnahmen wie Physiotherapie, Medikamente oder Schuheinlagen an und können zu einer deutlichen Beeinträchtigung der Alltagsaktivitäten führen“, berichten die Experten des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA).

Teils sehr guten Erfolg zeigt eine Methode, die bisher nicht von den Krankenkassen übernommen wurde: die sogenannte extrakorporale Stoßwellentherapie (ESTW). „Bei der ESWT werden Stoß- oder Druckwellen von außen in das zu behandelnde Gewebe eingebracht“, berichtet der G-BA. Diese Reizung führt zu Mikrorissen, welche einen Heilungsprozess auslösen, was wiederum die Durchblutung erhöht. „Ferner wirkt die ESTW häufig schon während der Anwendung schmerzstillend“, erklären die Spezialisten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Kosten werden jetzt übernommen

Bisher kostete eine Sitzung die Patienten 60 bis 100 Euro. Doch seit dem Frühjahr 2018 übernehmen die Krankenkassen die Kosten für drei Sitzungen. „Wissenschaftliche Anhaltspunkte für einen Nutzen von mehr als drei Sitzungen pro Behandlungszyklus haben sich in der Auswertung der Studienlage nicht ergeben“, so der G-BA. Doch es gibt einen Haken an der Sache. Die Kosten werden nur getragen, wenn die gewohnte körperliche Aktivität durch die Plantarfasziitis schon über mindestens sechs Monate eingeschränkt ist und konservative Therapieansätze wie Physiotherapie sowie Maßnahmen wie Dehnübungen und Schuheinlagen keine Besserung brachten. Die DEGUM begrüßt die Entscheidung fordert allerdings, dass die Patienten frühzeitiger Anspruch auf diese Therapie haben. „Mit so einer langen Zeitspanne riskiert man, dass diese Patienten über die Plantarfasziitis hinaus noch einen größeren Fersensporn entwickeln und Zeiten unnötiger Arbeitsunfähigkeit hinzukommen“, sagt Berthold.

Helfen all diese Verfahren nicht, ist die Röntgenentzündungsbestrahlung ein Versuch wert. Sie geht allerdings mit einer Strahlenbelastung einher. Die letzte Option ist eine Operation, welche etwa bei fünf Prozent aller Patienten nötig ist. Hierbei kerbt der Chirurg die Plantarfaszie ein. 

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