Arzneimittel

Wie Schmerzmedikamente Kopfweh verschlimmern

Ohne Ibuprofen, Paracetamol und Co. gehen viele Patienten mit häufigen Kopfschmerzen nicht aus dem Haus. Doch die Medikamente können genau das Gegenteil bewirken. Um die Schmerzen in den Griff zu bekommen, raten Experten vor allem zu vorbeugenden Maßnahmen.

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Zu oft, zu lange oder zu hoch dosiert: Die wenigsten Patienten ahnen, dass Schmerz- und Migränemittel vorbestehende Kopfschmerzen verstärken und in eine chronische Krankheit verwandeln können. Menschen mit häufigen Kopfschmerzen sollten vorbeugend dagegen aktiv werden, um nicht in einen Teufelskreis von Schmerzen und Medikation zu geraten, empfiehlt die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG).

Weltweit sind 0,7 bis ein Prozent der Bevölkerung von Kopfschmerzen durch Übergebrauch von Schmerz- und Migränemitteln betroffen – in Deutschland sind es also mindestens eine halbe Million Menschen. „Das Krankheitsbild ist vor allem bei Frauen, Patienten mit Depressionen, Angsterkrankungen oder anderen chronischen Schmerzen, wie zum Beispiel Rückenschmerzen, verbreitet“, berichtet der Kopfschmerzexperte Prof. Hans-Christoph Diener. Es sei sehr wichtig, dass Kopfschmerzspezialisten, Neurologen, Schmerztherapeuten, Schmerzpsychologen, Hausärzte und Apotheker über das Risiko aufklären und zu wirksamen Behandlungsalternativen beraten.

Sport und Entspannung senken den Bedarf an Schmerzmitteln

Damit Kopfschmerz durch ein Zuviel an Tabletten erst gar nicht entsteht, raten die Experten zu einer konsequenten vorbeugenden Behandlung. Neben Medikamenten helfen Ausdauersport, Entspannung und Stressmanagement, Kopfschmerzattacken vorzubeugen. „Auch die Verhaltenstherapie hat sich in der Prophylaxe als wirksam erwiesen“, sagt Prof. Peter Kropp, Direktor des Instituts für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie der Universität Rostock. 

Diese Möglichkeiten der Prävention würden jedoch längst nicht ausgeschöpft, bemerkt die Neurologin Stefanie Förderreuther von der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Viele Patienten wissen schlicht nicht, dass man vorbeugend gegen Kopfschmerzen vorgehen kann.“ Das läge unter anderem daran, dass sie in der Werbung nur die Akutbehandlung von Kopfschmerzen sehen. „Für vorbeugende, in der Regel verschreibungspflichtige Medikamente darf dagegen nicht geworben werden. Und hinter verhaltenstherapeutisch ausgerichteten vorbeugenden Strategien steht keine Firma, die ein Interesse an Werbung hätte“, ergänzt die Expertin. 

Mit einer leitliniengerechten Therapie könne den meisten Kopfschmerzpatienten geholfen werden, betont sie. Selbst ein Kopfschmerz durch Übergebrauch von Akutmedikamenten sei behandelbar und keine Sackgasse. Hier empfiehlt die neue Leitlinie ein dreistufiges Vorgehen: „Die erste Maßnahme sollte stets in der Schulung und Beratung von Patienten liegen, mit dem Ziel, die Einnahme von Akutmedikamenten zu reduzieren“, erläutert PD Dr. Charly Gaul der DMKG. Der zweite Schritt sei eine medikamentöse Prophylaxe der zugrundeliegenden Kopfschmerzerkrankung. „Wirkt diese Therapie nicht, sollte als dritter Schritt eine Medikamentenpause angestrebt werden. Dieser Entzug kann je nach Konstellation ambulant, tagesklinisch oder stationär durchgeführt werden.“ 

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