Zahngesundheit

Wie man Zähneknirschen erkennt und wirkungsvoll behandelt

Viele Menschen knirschen mit den Zähnen – oft nachts, oft unbemerkt. Mit der Zeit nehmen nicht nur die Zähne schaden, auch der Kopf und Kiefer schmerzen. Life Goes On zeigt, wie man Zähneknirschen auf die Schliche kommt und wie es behandelt wird.

© iStock-OlgaMiltsova

Zähneknirschen (Bruxismus) zeichnet sich dadurch aus, dass die Betroffenen ihre Zähne stark aufeinanderpressen und hin und her bewegen. Der entstehende Druck auf die Zähne ist oft zehnmal höher als beim normalen Kauen und kann sich auf bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter belaufen. Das greift nicht nur die Zähne und das Zahnfleisch, sondern verursacht Kiefer-, Gesichts- und Kopfschmerzen sowie Verspannungen im Nacken und Rücken. Ferner klagen einige Betroffene über einem Druck auf den Ohren oder einen Tinnitus. Als wesentliche Ursachen des Bruxismus gelten heutzutage Stress, Ängste und psychische Probleme generell. 

„Unter Wirkung von Stress kommt es dazu, dass jeder Zweite zeitweise im Leben knirscht und presst. Zu einem dauerhaften Phänomen kommt es allerdings nur bei 20 Prozent der Patienten“, schreibt die Bundeszahnärztekammer. Darüber hinaus können auch Zahnfehlstellungen und Bisslageanomalien, Atmungsstörungen während des Schlafs (Schlafapnoe), häufiger Alkoholkonsum und bestimmte Medikamente dafür verantwortlich sein.

Unerkanntes Problem

Dass sie mit den Zähnen knirschen, merken viele Menschen nicht, da sie es oft im Schlaf machen. Und selbst wer dazu tagsüber neigt, ist sich dessen oft nicht bewusst. Ein schmerzender und steifer Unterkiefer nach dem Aufstehen und Zahnschmerzen beim Frühstück sollten einen aufmerken lassen. Auch der Partner kann einmal darauf achten, ob er in der Nacht ein Knirschen hört. In vielen Fällen erkennt erst der Zahnarzt bei einer Kontrolluntersuchung das Problem: glattpolierte, abgeschmirgelte Zahnflächen, empfindliche Zähne, Risse im Zahnschmelz. „Durch den starken Druck kommt es überdies zu Zahnschmelzaussprüngen und keilförmigen Defekten am Zahnhals“, berichtet die Bundeszahnärztekammer. Ebenso ist es möglich, dass keramische Verblendungen an Kronen und Brücken abplatzen. Durch die vermehrte Muskelaktivität kann die Kaumuskulatur zunehmen.

Jene die tagsüber die Zähne stark aufeinanderpressen, können mit Eigenbeobachtung viel bewirken. Hilfreich ist es Zettel in der Wohnung zu verteilen. Immer wenn diese ins Blickfeld kommen, sollte man sich folgendes bewusstmachen: Was machen meine Zähne im Moment? Normal wäre es, wenn die oberen und unteren Zähne einige Millimeter auseinander stehen. Ist dies nicht der Fall, sollte man versuchen die Kiefermuskulatur zu lockern. Oft zeigen sich Muster, wann jemand knirscht, beispielsweise beim Autofahren – dann sollte man versuchen in solchen Situationen die Kiefermuskulatur bewusst zu entspannen.

Schiene für die Nacht

Für die Nacht ist eine Zahnschiene für den Oberkiefer aus Plastik das Mittel der Wahl, auch Aufbissschiene genannt. Diese schützt die Zähne vor dem Druck und kann die Aktivität der Kiefermuskulatur reduzieren. Kopf- und Kieferschmerzen werden weniger. Doch nicht für jeden ist eine Schiene geeignet. Einige Patienten pressen damit die Zähne sogar fester aufeinander – manchmal so stark, dass die Schiene zerspringt. Teils verschreibt der Arzt Schmerzmittel oder Medikamente, die die Muskeln lockern, sogenannte Muskelrelaxanzien. Diese sollten jedoch nicht auf Dauer angewandt werden. In Extremfällen wird Botox in den großen Kiefermuskel gespritzt und so die Aktivität der Muskulatur eingedämmt.

In vielen Fällen hilft ein ganzheitlicher Therapieansatz: Da insbesondere Stress das Zähneknirschen verstärkt, zeigen Maßnahmen zum Stressabbau gute Erfolge. Hierzu zählt eine Psychotherapie ebenso wie Entspannungsverfahren wie Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung und Übungen zur Körperwahrnehmung. Darüber hinaus ist oft eine Physiotherapie sinnvoll. Dabei werden Verspannungen gelöst und die Kieferbewegungen wird trainiert. „Durch die engen Beziehungen zwischen der Kopf- und Körperhaltung insbesondere der Halswirbelsäule sollten zudem Fehlhaltungen bei der Arbeitsplatzgestaltung (Bildschirmarbeitsplätze) vermieden werden und Brillen gegebenenfalls auf diese Situationen ausgerichtet sein“, so die Bundeszahnärztekammer. 

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