Was uns Mediziner verschweigen – Teil 2

Wie gefährlich ist eine Grippe wirklich?

Jedes Jahr lassen sich rund 20 Millionen Deutsche gegen die Grippe impfen. Aber haben die zahlreichen Grippe-Impfungen vielleicht gar nicht den gewünschten Effekt?

Arzt gibt Patientin Spritze

© iStock/Katarzyna Bialasiewicz

Jedes Jahr fordert sie viele Tausend Opfer in Deutschland – aktuellen Zahlen zufolge mehr als 20.000. Damit ist die Grippe eine Seuche, die im deutschen Bundesgebiet jährlich mehr als doppelt so viele Leben kostet wie die Ebola-Epidemie im gesamten Westafrika. Die Sache ist also ernst, wenn sich Medien, Krankenkassen und Weltgesundheitsorganisation Zusammentun und zur saisonalen Grippe-Impfung aufrufen. „Sich impfen zu lassen, ist der beste Schutz“, erklärt das Bundesgesundheitsministerium offiziell. Eine Empfehlung, die wohl die meisten Ärzte an ihre Patienten weitergeben – denn tatsächlich folgen jedes Jahr rund 20 Millionen Deutsche diesem Aufruf – trotz möglicher Nebenwirkungen wie Kopf-, Hals-, Muskel- und Gliederschmerzen.

Kein nachweisbarer Effekt?

So wäre die Grippe-Impfung für das gesamte Gesundheitswesen in Deutschland eigentlich eine echte Erfolgsgeschichte – wäre da nicht ein Fakt, der den Patienten verschwiegen wird: „Üblicherweise wird der Nutzen der Grippeimpfung erheblich überschätzt!“, sagt auch der Arzt Wolfgang Becker-Brüser. Tatsächlich gibt es kritische Untersuchungen, die Zweifel wecken an der offiziellen Impf-Leitlinie. So überprüfte die Cochrane Collaboration in einer Metastudie 36 Einzelstudien und fand heraus, dass die jährliche Grippe-Impfung keinen nachweisbaren Effekt auf schwere Komplikationen oder die Anzahl der grippebedingten Krankenhauseinlieferungen hat.

Auch Professor Gert Antes von der Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg stellt die Wirksamkeit von Grippe-Impfungen grundsätzlich in Frage: „Die Studienlage hat gezeigt, dass man 100 Personen impfen muss, damit eine Person einen Nutzen davon hat.“ Nach Meinung von Professor Antes ein gravierendes Problem, da „relevante Studien fehlen“.
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Risikogruppe: Säuglinge

Probleme hatten die Cochrane-Forscher auch mit der offiziellen Festlegung einer bestimmten Risikogruppe: Säuglinge. Das Center of Disease Control and Prevention (CDC) in Atlanta stufte 2006 die Impfempfehlung für Kinder auf sechs Monate herab. Die Begründung: Es gebe eben auch viele Grippekranke in der Gruppe der Kinder unter 18 Jahren – eine genaue Statistik zu Säuglingen fehlt aber.

Seltsam fand das auch die Cochrane Collaboration, die 51 Studien zu Grippeerkrankungen bei Kindern sammelten: Nur zwei davon setzen sich mit Säuglingen auseinander. Und die konnten keine Wirksamkeit nachweisen. Zudem gab es nur eine Studie, die sich mit der Sicherheit der Impfstoffe beschäftigte: Sie war über 30 Jahre alt und war mit nur 35 Säuglingen gemacht worden.

Wie zählt man Grippe-Tote?

„Die Zahlen beruhen nicht auf dokumentierten Grippe-Todesfällen“, erklärt der Wissenschaftsautor Frank Wittig. Tatsächlich handelt es sich dabei um Schätzungen. Um an Zahlen zu kommen, „zieht man die Sommertoten von den zahlreicheren Wintertoten ab und nennt das, was übrig bleibt, Exzessmortalität“, beschreibt Wittig das Vorgehen.

Zwar wird diese Sterberate nicht direkt mit den Influenza-Toten gleichgesetzt, dient aber als Basis zur Schätzung der sogenannten „Influenza-assoziierten Exzessmortalität“. Übrigens: Bis heute wurde nur im Jahr 2009 von diesem Schätz-Verfahren abgesehen. Damals grassierte in Deutschland die Schweinegrippe, und Todesfälle waren meldepflichtig. Das überraschende Ergebnis: Es gab lediglich 252 dokumentierte Grippe-Tote.

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