Facharztsuche

Wer sind die Top-Ärzte in Deutschland?

Bei der Suche nach einem Mediziner geben Bewertungsportale im Internet Auskunft darüber, welche Erfahrungen andere Patienten mit ihrem Arzt gemacht haben. Schwieriger wird es, wenn man einen herausragenden Facharzt für ein spezielles Leiden sucht. Unabhängige Ärztelisten geben zwar Auskunft – diese sind aber nicht für jeden zugänglich.

© iStock/SIphotography

Ärztebewertungsportale wie die Weiße Liste, Jameda, Docinsider und Co. stehen schon länger in der Kritik, nicht unabhängig zu sein. Oftmals sei die Trennung zwischen Werbung und Inhalt nicht ganz klar – lautet der Vorwurf. Hinzu kommt, dass Bewertungen anderer Patienten oftmals sehr subjektiv sind und eher oberflächliche Faktoren, wie Freundlichkeit oder gute Anbindung, beurteilen. Eine Einschätzung der fachlichen Leistung ist für „Normalos“ aber auch kaum möglich – dazu ist die Medizin viel zu komplex. Für Patienten, die einen ganz speziellen Facharzt für ihr Anliegen suchen, kann es umso mehr zur schwierigen Herausforderung werden, den passenden zu finden. 

Unabhängige Ärztelisten

Eine Hilfestellung für solche Fälle bieten seit mehr als 20 Jahren die Ärztelisten von FOCUS-Gesundheit. Sie empfehlen den Nutzern Ärzte, Kliniken und Rehakliniken, die führend auf ihrem Spezialgebiet sind. Doch worauf basieren diese Listen und wer gewährleitstet die Unabhängigkeit der Bewertung? Dazu arbeitet FOCUS mit einem unabhängigen Recherche-Institut namens Munich Inquire Media (MINQ) zusammen. Eine wichtige Säule der Beurteilung ist – einfach ausgedrückt – Ärzte über ihre Kollegen zu befragen. Die Teilnahme an der Untersuchung ist für die Mediziner freiwillig. „Kein Arzt, keine Klinik, kein Krankenhaus bezahlt dafür, dass sie an den Recherchen teilnehmen dürfen und/oder dass sie bevorzugt dargestellt werden!“ betont MINQ-Redaktionsleiter Marc Langner. Hinzu kommt, dass die die Ergebnisse der Interviews durch weitere externe Quellen verifiziert werden. Das sind beispielsweise Patientenmeinungen, Publikationen und Zertifikate.

Überblick der Recherche-Quellen

1.       Ärzte beurteilen Ärzte

„Wohin schicken Sie Ihre Patienten?“ „Welcher Kollege leistet in seinem Fachgebiet sehr gute Arbeit?“ Diese Art von Fragen stellen extra angeheuerte Rechercheure ausgewählten Medizinern, Ärzten, Mitgliedern medizinischer Fachverbände oder Gutachtern. Die umfassenden telefonisch oder persönlich geführten Interviews haben journalistischen Charakter und werden anschließend einem Bewertungsverfahren unterzogen. 

2.       Patientenbewertungen

Natürlich ist auch die Meinung von Patienten gefragt. Denn diese haben die Behandlung durch den Arzt am eigenen Leib erfahren. Zwar können sie keine Aussage über eine fachgerechte medizinische Behandlung treffen, aber auch die Summe aller Patientenbewertungen hat eine Aussagekraft und bietet somit eine nützliche Informationsquelle. 

3.       Fachpublikationen

Eine weitere Säule, die in die Bewertung der Fachärzte einfließt, ist die wissenschaftliche Tätigkeit des Arztes. Als Quelle dient die medizinische Fachdatenbank PubMed. Maßstab ist die Anzahl der Fachpublikationen eines Arztes in den letzten fünf Jahren.

4.       Zertifikate

Auch abgeschlossene Zertifizierungen können Aussagen über die Qualifikation eines Arztes treffen. Dazu arbeitet MINQ teilweise mit öffentlich zugänglichen Quellen, lässt sich aber auch von Fachverbänden beraten. 

5.       Selbsteinschätzung des Arztes

Angaben zur eigenen Person, zum medizinischen Leistungsspektrum und der Praxis bzw. Klinik – mittels eines Fragebogens haben alle teilnehmenden Ärzte die Möglichkeit, Informationen über sich selbst freizugeben. Die Antworten sollen Rückschlüsse auf das medizinische Spektrum des Arztes geben.

Wie bekomme ich Einblick in die Ärzteliste?

Die Frage, die sich jeder Einzelne unweigerlich stellt: Wie kann ich an die Informationen der Arztlisten kommen? Hier genau liegt das Problem. Zwar veröffentlicht FOCUS-GESUNDHEIT jedes Jahr die Ärztelisten – allerdings gibt es keine spezielle Online-Suchmaske, wie wir sie von den gängigen Arztsuche-Portalen kennen. Wer also glaubt, ganz bequem in der Websuche seine Postleitzahl und sein gesundheitliches Problem einzutippen, um dann eine Liste der besten Ärzte in der Nähe zu erhalten, den muss man an dieser Stelle enttäuschen. Wer die Namen der über 3.000 exzellentesten Ärzte in Deutschland einsehen möchte, der muss in den nächsten Kiosk gehen und sich die Liste käuflich erwerben. Die digitale Variante gibt es zwar auch, aber nur in Form einer PDF-Datei. Der Vorteil: Das Heft enthält zusätzlich Ratgeber-Artikel für Patienten und Gesundheitsbewusste.

Eine weitere Möglichkeit, an Informationen zu den Ärztelisten zu gelangen, bietet die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) – jedoch nur exklusiv für ihre Mitglieder. Sie ist bundesweit die einzige Kasse, die Zugang zur MINQ-Datenbank hat und somit die relevanten Informationen an ihre Mitglieder weitergeben kann. Sucht ein SBK-Versicherter also einen speziellen Mediziner, hat er die Möglichkeit, seinen Kundenberater anzurufen, der dann aus 30.000 Ärzten und 3.700 Fachabteilungen den passenden Arzt gezielt und individuell aussuchen kann. Der Vorteil für den Versicherten: Dieser Ansatz zielt auf die regionale Arztsuche ab. Während die FOCUS-Liste die Top-Ärzte im gesamten Bundesgebiet aufführt, erfahren SBK-Versicherte über ihren Berater, welcher qualifizierte Arzt aus der jeweiligen Region passt.

Persönliche Beratung durch die Kasse

Zwar unterstützen auch andere gesetzliche Krankenkassen – typischerweise über eigene Online-Suchdienste – ihre Mitglieder bei der Facharztsuche, allerdings basieren die Informationen auf unterschiedlichen Vorgehensweisen. Marc Langner verdeutlicht das an dem Beispiel Rückenschmerzen: „Viele Suchen sind so aufgebaut, dass der Begriff ‚Rücken‘ nur bei den Orthopäden hinterlegt wird. Rückenleiden kann aber verschiedenste Ursachen haben: Es kann zwar auch der Orthopäde dafür zuständig sein – aber auch ein Psychiater oder ein Neurochirurg könnte den Patienten von seinem Leiden befreien.“ Suchenden sei daher grundsätzlich geraten, die Krankenkasse als erste Anlaufstelle zu nutzen. Im persönlichen Gespräch können Patient und Kasse dann gemeinsam entscheiden, welcher Facharzt der passende ist und für welche Leistungen der Versicherte womöglich selbst aufkommen muss.

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