Psychologie

Wenn die Nahrung uns zwingt mehr zu essen

Was wäre, wenn eine geheimnisvolle Kraft in unserem Kopf bestimmt, wie viel wir essen? Kaum vorstellbar? Forscher fanden jetzt heraus: Bestimmte Stoffe, Verhaltensweisen und Umstände haben massiven Einfluss auf unseren Körper.

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Glutamat, Aspartam, Fruktose & Co. – Stoffe mit heimlicher Signalwirkung. Offenbar gibt es verschiedene Systeme im Gehirn, die alle nur ein Ziel haben: den Menschen zu zwingen, so viele Kalorien wie möglich aufzunehmen, um das Gehirn mit so viel Energie wie möglich zu beliefern. „Hungry Brain Syndrom“, nennt der Neurobiologe Hans Berthoud dieses Phänomen. Hier gilt: Je mehr wir essen, desto gieriger wird das Gehirn. Nahrung wirkt sozusagen wie eine Droge. Die Studien ergaben weiterhin, dass Übergewichtige von dieser Sucht stärker betroffen sind und immer höhere Dosen Kalorien benötigen, um befriedigt zu sein. Ein Teufelskreis.

Wie schütze ich meinen Körper vor Lebensmittel-Attacken?

Der Lübecker Hirnforscher Achim Peters ist dennoch überzeugt: „Mit Kalorien allein lässt sich Übergewicht nicht hinreichend erklären.“ Auch chemische Signale, die in Nahrungsmitteln stecken, spielen eine bisher unterschätzte Rolle. So konnte nachgewiesen werden, dass Geschmacksverstärker, Weichmacher und sogar Pestizide Einfluss auf unser Körpergewicht haben können. Diese Stoffe gelangen ins Gehirn und lösen dort Falschsignale aus, die dazu beitragen, dass das Gehirn immer mehr Kalorien fordert. Der Körper wird so auf Gewichtszunahme programmiert.

Dies muss jedoch kein dauerhafter Zustand sein. Achim Peters rät, bewusst auf die Zusatzstoffe in den Lebensmitteln zu achten: „Wer mehr natürliche Lebensmittel konsumiert, also weniger chemische Botenstoffe isst, setzt sein Gehirn weniger Falschsignalen aus. Dadurch bekommt das Denkorgan die Möglichkeit, den Energiehaushalt besser zu regulieren. Es tritt eine Art Selbstheilung ein.“ Dieser Prozess läuft jedoch nicht innerhalb weniger Tage ab, es kann Monate dauern, bis das Gehirn von den Falschsignalen der chemischen Zusatzstoffe befreit ist. Dann aber ist das Hungergefühl deutlich und dauerhaft reduziert. Doch nicht immer sind nur Zusatzstoffe das Problem …

Bestimmt mein Unterbewusstsein, wie ich esse?

„Wir treffen jeden Tag 250 Essensentscheidungen“, sagt der Verhaltenspsychologe Brian Wansink von der Cornell University im US-Bundesstaat New York. „Bei den meisten werden wir manipuliert, ohne es zu merken.“ So sind schon die eigenen vier Wände voll mit Essfallen, die nicht nur dick machen, sondern darüber hinaus auch unsere Muskeln und unsere Fitness manipulieren. 

Massiven Einfluss hat dabei unser Medienkonsum. Wer vor dem Fernseher oder dem Computer isst, nimmt rund 240 Kilokalorien mehr zu sich als vergleichbare Personen, die sich am Esstisch auf das Mahl konzentrieren. Dabei ist es egal, wie viel man sich auf den Teller geladen hat: Weil das Sättigungsgefühl durch die Ablenkung nicht eintritt, holt man sich einfach mehr. Ist zudem der Teller auch noch groß, landet unterbewusst immer mehr darauf, als man eigentlich braucht. 

Doch auch Licht, Lärm und Schlaf beeinflussen unser Essverhalten. So summieren sich viele kleine Fallen zu einem gravierenden Gesundheitsproblem. Das Fiese: Wir bemerken diese Manipulationen erst, wenn wir uns damit beschäftigen. 

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