Körperkult

Welche gesundheitlichen Gefahren bergen Piercings?

Früher waren Bauchnabel- und Zungenpiercings in, heute sind es Lippen- sowie Intimpiercings. Und auch Tunnelpiercings in den Ohrläppchen, sieht man häufig. Oft ungeachtet sind die möglichen Risiken. Doch wenn Probleme auftreten, kann es kritisch werden.

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Schon die Ureinwohner Afrikas, Asiens und Amerika schmückten ihren Körper mit Piercings. Der Schmuck bestand aus Holz, Quarz, Perlmutt, Ton, Horn oder Knochen. Auch das heutzutage gängigste Material Metall war damals schon verbreitet. Seit den 90er Jahren sind Piercing insbesondere bei jungen Menschen beliebt – früher Zeichen der Rebellion, heute Körperschmuck.

Doch immer wieder treten Komplikationen nach dem Piercen auf: Blutungen, Allergien, Ausrisse, Schwellungen und Entzündungen. Teilweise dauert es mehrere Monate bis die Wunde verheilt ist. In dieser Zeit müssen frisch Gepiercte generell vorsichtig sein. Ferner können Nerven in Mitleidenschaft gezogen werden oder sich die Haut um die Einstichstelle infizieren. Insbesondere Zungen-, Brustwarzen- und Intimpiercings gehen häufig mit Komplikationen einher, so das Ergebnis einer englischen Studie. Bis zur Hälfte der Befragten hatte hiermit Probleme.

Auch Ohr- und Nasenpiercings sind bedenklich

Und selbst Piercings in Ohrmuscheln oder Nase findet Prof. Andreas Naumann, Direktor für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum Bremen Mitte kritisch. „Wenn die Knorpelhaut beim Piercing durchtrennt wird, können Bakterien und Viren eindringen und Infektionen auslösen. Deshalb sollten Körpermodifikationen wie Piercings nur unter streng aseptischen Bedingungen erfolgen. "An der gepiercten Stelle könne es sonst, eventuell im Abheilungsprozess, zum Absterben von Knorpelgewebe kommen“, berichtet der Experte. Deformierungen oder sogar der Verlust von Teilen der Nase oder des Ohres sind mögliche Folgen. „Eine Korrektur ist dann komplex und nur von spezialisierten Ärzten durchführbar.“ Die Behandlung der Früh- sowie Spätfolgen reiche dabei von kleinen Narbenkorrekturen bis zu komplexen plastischen sowie rekonstruktiven Eingriffen.

Besonders im Trend sin aktuell – bei Männern und Frauen – Tunnelpiercings. Doch sie fordern nicht nur Geduld und Arbeit, sondern können auch problematisch werden. Um das große Loch in der Haut zu bilden, wird ein Platzhalter im Ohrläppchen eingebracht. Nach und nach wird ein größerer eingesetzt – bis nur noch ein schmaler Hautstreifen übrigbleibt. Wenn das Ohr zu schnell geweitet wird, kann es zu Ausfransungen und Einrissen kommen. Zudem stellt sich die Frage: Was, wenn ich den Tunnel nicht mehr haben möchte? „Die verbliebenen Hautreste reichen dann häufig nicht mehr aus, um das Loch wieder zu verschließen. Wir müssen dann das Ohrläppchen durch ein komplexes Lappenplastik rekonstruieren“, berichtet Naumann.

Den Arzt aus eigener Tasche bezahlen

Nicht nur die gesundheitlichen Folgen machen einigen Piercingfreunden zu schaffen, sondern auch die Finanzen. Denn bei Problemen infolge von Piercing wie auch bei Tätowierungen muss die Krankenkasse nicht die vollen Kosten übernehmen. Das Krankengeld ist ebenfalls keine Selbstverständlichkeit mehr.

Wer sich dennoch ein Piercing stechen lassen will, sollte sich unbedingt an einen seriösen Piercer wenden und sich vorher beraten lassen, auch der eigene HNO-Arzt ist ein möglicher Ansprechpartner. Ebenso wichtig ist eine gründliche Nachsorge. Diabetiker, Menschen mit einem schwachen Immunsystem oder mit Hauterkrankungen neigen zu Komplikationen und sollten besonders bedacht vorgehen. 

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Spitze Ohren wie ein Elf

Ein relativ neuer, aber ebenso kritischer Trend ist die Bodymodifikation. Vor allem Elfenohren sind beliebt. Dafür wird ein kleines Implantat eingesetzt. Naumann warnt: „Der massive Eingriff in das natürliche Ohrgerüst birgt eine große Gefahr für das gesamte Haut-Knorpelgerüst des Ohres.“ Rötungen, Schmerzen, Missempfindungen sind möglich. Im Ernstfall sogar schwere Infektionen bis hin zum Absterben von Knorpelgewebe. 

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