Körperwissen

Was tun gegen übermäßigen Körperschweiß?

Klatschnass klebt die Kleidung am Körper, Schweißgeruch lässt andere die Nase rümpfen: Eine Million Bundesbürger leidet unter Hyperhidrose, der „Vielschwitzerei“. Doch was kann man dagegen tun?

Schweißflecken

© iStock/Will Eason

Der menschliche Körper ist eine leistungsfähige Biomaschine. Jeder Muskel ähnelt einem kleinen Kraftwerk: Es erzeugt Energie, indem es Kalorien verbrennt. Doch auch bei sportlicher Leistung darf die Temperatur nicht über 37 Grad ansteigen. Deshalb besitzen wir zum Schutz eine körpereigene Klimaanlage: den Schweiß. Schweiß ist das Kühlmittel des Körpers und besteht zu 99 Prozent aus Wasser. Den Rest bilden Mineralien und organische Stoffe. Pro Stunde schwitzt ein durchtrainierter Sportler bis zu zwei Liter.

Die Klimaanlage des Körpers

Was aber, wenn der Körper auch ohne Anstrengung schwitzt? Etwa eine Million Bundesbürger leiden unter der Krankheit Hyperhidrose, übersetzt „Vielschwitzerei“. Ihr Körper produziert Achselschweiß in Strömen und verliert mehrere Liter Flüssigkeit pro Tag. Die Ursache liegt meist im Nervensystem. Bei Vielschwitzern ist der Thermostat im Gehirn – der Hypothalamus – falsch eingestellt: Irrtümlich gibt er den Befehl zur Abkühlung und lässt den Körper schwitzen. Bei manchen sind neben den Achselhöhlen auch besonders die Hände betroffen. Diese sind ständig feucht und kalt. Viele Betroffenen vermeiden den Kontakt mit anderen Menschen und isolieren sich.

Eine wenig erfolgreiche Methode, krankhaftes Schwitzen an Händen und Füßen zu bekämpfen, ist die „Iontophorese“, das Strombad. Diese Methode blockiert die verrücktspielenden Nerven mit Gleichstrom. Die winzigen Elektroschocks sind kaum spürbar. Der Nachteil: Die Therapie muss anfangs täglich durchgeführt werden und die Wirkung lässt von Mal zu Mal nach. Dennoch zahlen die Kassen nur diese Standardmethode.
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Giftspritze unter die Haut

Als wirkungsvolles Mittel gegen den Schweißfluss in den Achselhöhlen hat sich dagegen erstaunlicherweise das Nervengift Botulinum-Toxin, kurz Botox, erwiesen. Der Arzt spritzt es in extremer Verdünnung unter die Haut. Um es gleichmäßig zu verteilen, zeichnet er die Injektionsstellen genau an. Je nach Größe der betroffenen Region sind bis zu fünfzig zum Teil schmerzhafte Einstiche nötig. Doch der Erfolg tröstet über den Schmerz hinweg: Das Gift blockiert die übererregbaren Nerven, die Schweißdrüsen versiegen, die Haut wird trockengelegt. Leider hält das Ergebnis nur vier bis sechs Monate.

Dauerhafte Heilung vom Achselhöhlenschweiß bringt nur ein chirurgischer Eingriff. Die Operationsmethode der Schweißdrüsen-Absaugung ähnelt grundsätzlich der Fettabsaugung. Dabei injiziert der Arzt zunächst ein lokales Betäubungsmittel, das zugleich die oberste Fettschicht unter der Haut verflüssigt. Hier sitzt ein Großteil der Schweißdrüsen. Mit einer dicken Spezialkanüle saugt der Arzt die flüssige Masse dann ab. Im Anschluss an die Behandlung muss verhindert werden, dass Blut in das malträtierte Gewebe läuft und zu Schwellungen führt. Deshalb bekommt der Patient einen Druckverband, der die Achsel etwa drei Wochen lang komprimiert.

Andere Krankheiten ausschließen

Doch Vorsicht: Übermäßiges Schwitzen kann auch durch andere Krankheiten ausgelöst werden. Dazu gehören Fettsucht oder Diabetes, Schilddrüsenüberfunktion oder vergleichbare Krankheiten des Hormonhaushalts. Dies sollte immer durch einen Arzt abgeklärt werden. Lässt sich keine dieser Ursachen feststellen, muss eine Fehlfunktion der Nerven vermutet werden.

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