Krankheiten

Was steckt eigentlich hinter Epilepsie?

Den Begriff epileptischer Anfall hat wohl jeder schon einmal gehört, eventuell wurde man sogar schon einmal zufällig Zeuge. Meist kommt der Anfall scheinbar aus dem Nichts und vergeht schnell wieder. Wie kann das passieren?

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Epilepsie ist relativ häufig, vor allem bei Kindern und Menschen jenseits des 50. Lebensjahr. In Deutschland ist einer von hundert betroffen. Bei einem epileptischen Anfall kommt es zu einer vorübergehenden Funktionsstörung im Gehirn, bei der Nervenzellen plötzlich unkontrolliert elektrische Signale aussenden. Sie sind überaktiv. Je nachdem wo dies im Hirn geschieht, reagiert der Körper anders.

Epilepsie geht mit verschiedenen Hirnerkrankungen einher, beispielsweise Missbildungen, Durchblutungsstörungen im Hirn wie bei einem Schlaganfall, Tumoren, Diabetes, Hirnhautverletzungen und -entzündungen. Es gibt aber auch Patienten, bei denen es keine ersichtliche Ursache gibt. Mediziner sprechen dann von Idiopathischer Epilepsie. Überdies tragen einige Menschen eine genetische Veranlagung für Epilepsie. Sie sind anfälliger für das Krampfleiden.

Wie gefährlich ist ein Anfall?

Auch wenn ein Epilepsieanfall für Außenstehende sehr dramatisch wirkt, ist der einzelne Anfall für den Betroffenen meist nicht gefährlich. Abgesehen vom hohen Verletzungsrisiko. Selten erleidet ein Patient einen Gehirnschaden im Rahmen einer Anfallsserie oder einer extrem starken Attacke. Noch seltener stirbt er an Herz-Kreislaufversagen. Aus diesem Grund ist eine Behandlung der Erkrankung aber stets angeraten.

Wie die Ursachen können auch die Anfälle sehr unterschiedlich ablaufen. Manchmal zeigen sie sich nur für ein paar Sekunden durch leichtes Zucken, vermehrtes Schlucken oder Schmatzen, Kribbeln oder einer kurzen Absence. Unter einer Absence versteht man eine kurze Bewusstseinspause, in der der Patient plötzlich in einer Bewegung innehält und auf Ansprache nicht reagiert. Spätestens nach einer halben Minute ist wieder alles vorbei. Ebenso kann der Anfall bis zu zwei Minuten dauern, heftige Krämpfe, Lautäußerungen, starke Zuckungen und Bewusstseinsverlust inklusive.

Bei einigen Patienten kündigt sich ein Anfall mit einer Aura an, teils ist diese aber auch schon das einzige Symptom. Solch eine Aura zeigt sich durch Sehstörungen, Konzentrationsprobleme, Halluzinationen, Kribbeln, Schwindel, seltsame Geruchs- und Geschmackseindrücke oder ein ungutes Bauchgefühl.

Welche Therapien gibt es?

Leidet der Patient unter wiederkehrenden epileptischen Anfällen, stehen heutzutage verschiedene Behandlungen zur Verfügung. Sogenannte Antikonvulsiva/Antiepileptika senken bei regelmäßiger Einnahme das Risiko für erneute Anfälle. Meist müssen die Medikamente über Jahre eingenommen werden. Dann können Betroffene versuchen, die Tabletten langsam auszuschleichen – allerdings nur unter ärztlicher Aufsicht. Ein Teil der Patienten bleibt daraufhin anfallsfrei – zum Beispiel, wenn eine Hirnhautentzündung die Ursache war – andere müssen die Arzneien erneut einnehmen.

Bringen die Medikamente keine Besserung, kann in einigen Fällen über eine Gehirnoperation nachgedacht werden. Hierbei wird ein Teil des Gehirns entfernt. Der Eingriff birgt allerdings Risiken und ist nur möglich, wenn das betroffene Gehirnareal keine wichtige Funktion hat. Eine andere Option ist ein kleiner Schrittmacher unterhalb des Schlüsselbeins, der den Hirnnerv am Hals stimuliert. Stürzt der Patient sehr oft, ist die Balkendurchtrennung eventuell sinnvoll. Dabei durchtrennt der Arzt ein Verbindungsstück zwischen den beiden Gehirnhälften. 

Sind Anfälle vermeidbar?

Es gibt einige Dinge, die epileptische Anfälle triggern: Schlafmangel, Alkohol, Drogen, Stress, bestimmte optische Muster, laute Musik, Computerspiele und Flackerlicht. Betroffene sollten diese Dinge meiden. Teilweise scheint sich eine ketogene Diät – mit viel Fett und wenig Kohlenhydraten – positiv auszuwirken, wobei der Grund noch nicht geklärt ist. Oft ist die Krankheit für die Patienten sehr belastend. Sie wissen nie, wann und wo der nächste Anfall passiert. Eine Psychotherapie kann helfen. 

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Wer das erste Mal einen epileptischen Anfall hat, sollte immer einen Arzt aufsuchen. Nur er kann andere Erkrankungen wie Angststörungen oder Migräne ausschließen und die Form der Epilepsie definieren und eine Therapie einleiten. Neben der eigenen Beschreibung des Vorhergangs ist es für den Arzt hilfreich, wenn Personen, die den Anfall gesehen haben, den Ablauf beschreiben. Zusätzlich macht der Arzt eine Elektroenzephalografie (EEG). Hierfür setzt der Patient eine Haube mit Elektroden auf, die die Hirnpotentialschwankungen messen. Ein Bluttest kann Stoffwechselstörungen ausschließen. Bei Verdacht auf eine Entzündung im Gehirn, ist manchmal eine Untersuchung des Nervenwassers über eine Punktion am Rücken nötig.

Wie kann ich im Notfall helfen?

Wenn Sie einen Epilepsieanfall beobachten, rufen Sie den Notarzt, falls nicht klar ist, dass es sich um solch einen Anfall handelt. Denn es könnte zum Beispiel auch ein lebensbedrohlicher Herzanfall sein. Ebenso muss der Notruf abgesetzt werden, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert oder auf einen Anfall ein weiterer folgt. Halten Sie die Person nicht fest und versuchen Sie nicht, ihr etwas zum Schutz in den Mund zu schieben. Versuchen Sie alle gefährlichen Gegenstände aus dem Umfeld der Person zu räumen und legen Sie eventuell Decken auf den harten Boden. Wird der Patient bewusstlos, legen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Sogenannte Benzodiazepine können im Akutfall helfen. Oft tragen die Betroffenen diese als Schmelztabletten bei sich. Ist dies der Fall, geben Sie die kleine Tablette direkt in die Mundhöhle. Bleiben Sie immer Vorort bis sich die Person wieder erholt hat.

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