Gemüse

Was Spargel so besonders macht

Wirkt das Spargel tatsächlich luststeigernd, wie es oft heißt? Und warum riecht der Urin nach dem Verzehr?

grüner Spargel

© imago/Westend61

Rambo, Ravel und Hannibal haben alle etwas gemeinsam: Sie sind Spargelzüchtungen. Das Königsgemüse, einst ein Privileg des Adels, erfreut sich in Deutschland immer größerer Beliebtheit. Pro Jahr isst jeder von uns im Durchschnitt rund ein Kilogramm.

Ernten in Handarbeit

Spargel zählt zur Familie der Liliengewächse. Man zählt derzeit rund 220 verschiedene Sorten. Erst im dritten Jahr nach dem Pflanzen einer Staude kann geerntet werden, dann aber sechs bis acht Jahre lang. Jeder Stock liegt etwa 35 Zentimeter unter der Erde und bildet um die zwanzig Stangen. Aber nicht alle dürfen gestochen werden: Ungefähr fünf Triebe müssen stehen bleiben, sonst geht die Pflanze kaputt. Traditionell wird ab dem 24. Juni, dem Johannistag, nicht mehr geerntet. Dann treibt die Pflanze aus und wird grün. Der Spargel muss für das nächste Jahr Energie sammeln. Im Spätherbst wird schließlich das Spargelkraut geerntet und als Dünger in den Boden eingearbeitet.

Ab Mitte April, wenn die Bodentemperatur über zwölf Grad Celsius steigt, kann die Spargelernte beginnen. Damit sich der Boden schneller erwärmt, werden schwarze Folien über die Felder gebreitet. Die Ernte erfolgt immer noch in Handarbeit. Der Erddamm wird von den Stechern nach Rissen abgesucht, die anzeigen, dass hier eine Spargelstange hervorbricht. Dann wird der Spross vorsichtig frei gelegt und mit einem speziellen Spargelmesser abgestochen. Anschließend wird das Loch zugeschüttet und die Erde flach gestrichen, damit man den nächsten „Sprung“ wieder gut erkennen kann.
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Gesundes Gemüse

Zum ersten Mal erwähnt wurde Spargel von dem griechischen Arzt Hippokrates von Kos, der von 460 bis 370 vor Christus lebte. Aufgrund seiner stopfenden Wirkung schätzte er ihn als Heilmittel. Von den Römern wurde Spargel bereits als Gemüse kultiviert. Sie brachten die Pflanze ins Gebiet des heutigen Deutschlands. Im Mittelalter wurde Spargel vor allem wegen seiner heilenden Wirkung in Klostergärten angebaut. Dass er allerdings auch ein Aphrodisiakum soll, ist eine Legende – die wohl durch seine phallische Form entstand. Wissenschaftlich konnte bisher noch keine luststeigernde Wirkung nachgewiesen werden.

Dafür ist Spargel sehr gesund: Eine Portion von fünfhundert Gramm deckt den Tagesbedarf eines Erwachsenen an Folsäure, Vitamin A, E und C. Darüber hinaus enthält Spargel viele Mineralstoffe. Sein Calcium zum Beispiel ist wichtig für Zähne und Knochen. Es lagert sich in den Knochen ein, baut Knochengewebe auf und macht das Skelett so stabiler.

Warum der Urin nach dem Verzehr riecht

Bis Ende des 18. Jahrhunderts kannte man nur den Grünspargel. Er wächst über der Erde und entwickelt durch die Sonneneinstrahlung seine grüne Farbe und den intensiveren Geschmack. Dann wurde in Holland eine Bleichmethode entwickelt, mit der sich weißer, milder Spargel züchten ließ.  Man stülpte Glocken über jeden Spross, um ihn vor der Sonne zu schützen. Heute häuft man Dämme aus Erde auf, die verhindern, dass der Spargel vor dem Stechen ans Licht kommt.

Doch ob grüner oder weißer Spargel, beide enthalten Asparagussäure – und diese ist nicht nur für den Geschmack verantwortlich, sondern auch dafür, dass der Urin nach dem Verzehr unangenehm riecht. Denn kommt die Säure in den Magen, wird sie von einem Enzym in ihre Bestandteile aufgespalten. Dabei werden auch Schwefelatome freigesetzt, die dann beim Wasserlassen verdampfen. Aber nur etwa fünfzig Prozent der Menschen haben dieses Enzym. Die andere Hälfte kann ohne diese unangenehmen Folgen das „königliche Gemüse“ genießen.

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