Krankheiten

Warum Darmkrebsvorsorge so wichtig ist

Darmkrebs ist für viele Menschen ein Tabuthema. Zu groß ist die Angst, von der schrecklichen Krankheit betroffen zu sein. Immerhin liegen die jährlichen Todesfälle im fünfstelligen Bereich – und das allein in Deutschland. Dabei kann Darmkrebsvorsorge Leben retten…

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Etwa acht Meter lang ist der gesamte Darm eines Erwachsenen. Er ist wichtiger Teil des Verdauungstrakts und filtert für den Körper wichtige Nährstoffe aus der Nahrung heraus. Erkrankt der Darm, gerät der ganze Körper aus dem Gleichgewicht. Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebsart in Deutschland. Laut dem Bericht zum Krebsgesehen des Robert Koch Instituts erkranken jährlich 62.000 Menschen neu daran, es gibt fast 26.000 Todesfällen. 

Doch die gute Nachricht ist: Wenn Darmkrebs früh erkannt wird, bestehen sehr gute Heilungschancen. Im Frühstadium zeigt sich Darmkrebs in Form von gutartigen Polypen, aus denen der Krebs wachsen kann. Sogar diese Vorstadien können bei den Untersuchungen entdeckt werden. „Wir haben bei der Darmkrebsvorsorge den Vorteil, dass Darmkrebs zu 95 Prozent aus gutartigen Veränderungen entsteht, die man nicht spürt, aber die man frühzeitig durch eine Untersuchung herausfinden kann,“ erklärt Dr. Martin Held, Spezialist für Magen-Darm-Erkrankungen.

Die zwei gängigsten Vorsorgeuntersuchungen sind der immulogische Stuhltest und die Darmspiegelung. Für den immulogischen Stuhltest kann der Patient eine Stuhlprobe beim Hausarzt einreichen. Die Untersuchung macht sich zunutze, dass Darmtumore und ihre Vorstufen häufig bluten. Dieses Blut wird dann mit ausgeschieden und lässt sich über den Labortest nachweisen. 

Wie läuft eine Darmspiegelung ab?

Die Darmspiegelung findet bei einem Facharzt, meist bei einem Gastroentrologen, statt. Damit der Arzt etwas sieht, muss der Darm davor mit Hilfe von Abführmittel entleert werden. Der Arzt schiebt ein Endoskop durch den Dickdarm des Patienten. Das Gerät ist ein bis zu eineinhalb Meter langer Schlauch, der mit einem Kamerasystem ausgestattet ist, der Durchmesser ist kleiner als eine ein Cent Münze. Es liefert Bilder aus dem Inneren, so dass der Arzt die Darmschleimhaut betrachten kann. So unangenehm wie sich eine sogenannte Koloskopie anhört, ist sie gar nicht. Auf Wunsch bekommt der Patient ein beruhigendes und schläfrig machendes Medikament, dadurch bekommt er kaum etwas von der Behandlung mit. Nur zwanzig bis dreißig Minuten dauert die Untersuchung. „Darmspiegelung ist gegenüber dem Stuhltest die bevorzugte Methode, weil sie im höheren Maße Polypen erkennen kann und gleichzeitig auch entfernen kann“, weiß Dr. Martin Held, Gastroentrologe in München.

Wie bei fast jedem medizinischen Eingriff, birgt aber selbst die Vorsorgeuntersuchung Risiken. „Die Darmspiegelung ist eine relativ sichere Untersuchung. Aber es kann auch in sehr selten Fällen zu Komplikationen kommen – das sind zum einen Blutung bei der Polypenentfernung und zum anderen zur Verletzung des Darmes. Rein statistisch liegt das Risiko bei einem von 10.000 Untersuchungen“, erklärt Dr. Martin Held. Wenn bei der Darmspiegelung nichts gefunden wurde, ist der Patient acht bis zehn Jahre auf der sicheren Seite. 

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Wer ist besonders gefährdet?

Die Statistik zeigt, ab dem 50. Lebensjahr steigt die Häufigkeit von Darmkrebs signifikant an. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt aus diesem Grund bei Personen ab 50 Jahren alle zwei Jahre den immulogischen Stuhltest. Ab dem Alter von 55 Jahren zahlen die gesetzlichen Krankenkassen alle zehn Jahre die Darmspiegelung. 

Sind Eltern oder Geschwister bereits an Darmkrebs erkrankt sind, sollte man sich genau darüber informieren, denn diese Menschen haben ein noch höheres Darmkrebs-Risiko als welche ohne familiäre Krankheitsgeschichte. Laut der Felix Burda Stiftung haben vier Millionen Darmkrebs-Patienten ein familiär erhöhtes Risiko für die Erkrankung, das heißt 30 Prozent der Erkrankten bekommen den Krebs aufgrund familiärer Vorbelastung. „Patienten, die Darmkrebs in der Familie haben, sollten sich zehn Jahre vor dem Erkrankungsalter des Verwandten untersuchen lassen“, rät Dr. Martin Held.

Die Diagnose Krebs kann jeden treffen. Allerdings gibt es Faktoren, die Darmkrebs begünstigen. Der Experte warnt vor Übergewicht, fettigem Essen, zu viel Fleischkonsum, zu wenig Bewegung und Rauchen. Gemüse und Ballaststoffe helfen dem Darm gesund zu halten.

Wo können sich Interessierte informieren?

Viele wissen nicht, wann sie zur Vorsorgeuntersuchung gehen sollen und wo sie den geeigneten Arzt für sich finden.„Es gibt ein sehr großes Informationsangebot. Wir helfen sehr gerne bei den Fragen, indem wir alle relevanten und gesicherten Informationen bereitstellen“, sagt Dr. Lydia Bodner, Vorsorgeexpertin von der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK). Mit Hilfe dieser Informationen könne sich jeder seine eigene Meinung bilden. „Wir wollen über das Thema sprechen und Chancen aufzeigen, aber jeder muss die Entscheidung für sich selbst treffen.“ Wenn man spürt, dass etwas nicht stimmt, ist es meist bereits Krebs. Die Vorstufe Polypen bemerkt man im Normalfall nicht, deswegen ist die Darmkrebsvorsorge wichtig. 

Wer weitere Informationen sucht, dem empfiehlt Dr. Lydia Bodner die Internetseite des Krebsinformationsdienstes und der Felix Burda Stiftung, spezielle medizinsche Fragen sollte der Haus- oder Facharzt beantworten. 

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