Hygiene

Sind Handdesinfektionsmittel wirklich sinnvoll?

Für viele gehört ein Fläschchen Desinfektionsgel immer in die Handtasche. Aber ist es wirklich ratsam sich im Alltag die Hände zu desinfizieren?

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Bis zu 80 Prozent aller Infektionskrankheiten werden über die Hände übertragen, schätzt die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Desinfektionsspray, antibakterielle Gels, Hygienetücher und antibakterielle Seife sollen dies verhindern. Meist versprechen die Hersteller 99 Prozent der Bakterien abzutöten. Seit einigen Jahren ist der Absatz dieser Hygienemittel um mehr als 70 Prozent gestiegen. Vor allem die Fläschchen für unterwegs haben es den Deutschen angetan. Doch ist es wirklich nötig die Hände mehrmals am Tag zu desinfizieren?

„Die Händehygiene ist die mit Abstand wichtigste und wirkungsvollste Maßnahme, um sich und seine Mitmenschen vor Infektionen zu schützen. Im häuslichen Alltag sind hierfür Wasser und Seife die vorrangig empfohlenen Mittel. Die WHO geht davon aus, dass mehr als 40 Prozent der klassischen alltäglichen Infektionskrankheiten durch ein konsequentes Händewaschen vermieden werden können“, berichtet Dr. Ernst Tabori, ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene, im Gespräch mit unserer Redaktion.

Dabei sollte man Folgendes beachten:
  • Hände mit einer hautschonenden Seife waschen.
  • Immer wenn man nach Hause kommt, nach der Toilette, dem Kontakt mit Tieren oder Abfall und natürlich vor dem Essen, die Hände gut waschen.
  • Auch die Fingerspitzen und v.a. die Daumen beim Reinigen miteinbeziehen.
  • Die Hände mindestens 30 Sekunden lang waschen.
  • Hände immer gut abtrocknen – außerhalb des Eigenheims am besten mit Einwegtüchern.
  • Rissige Hände eincremen, um den Keimen keine Eintrittspforte zu bieten und um die Haut zu pflegen.

Im Krankenhaus ist Handdesinfektion Pflicht

Darüber hinaus empfiehlt der Hygiene-Experte generell möglichst Distanz zu erkrankten Menschen zu halten und sich gemäß den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission am Robert Koch-Institut (STIKO) gegen die üblichen Infektionskrankheiten wie Masern, Diphterie und Windpocken sowie zusätzlich jährlich gegen Grippe impfen zu lassen. „Auf Reisen und unter schlechten Bedingungen ohne Waschmöglichkeiten für die Hände können Desinfektionsmittel eine geeignete Alternative für die Händehygiene darstellen.

Ebenso können Desinfektionsmittel sinnvoll sein, wenn ein Angehöriger eine ansteckende Infektionskrankheit oder einem Magen-Darm-Infekt (z.B. durch Noro- oder Rotaviren) hat oder auf Anraten des Arztes, wenn beispielsweise ein Mensch mit einem geschwächten Immunsystem zu Hause gepflegt wird“, erklärt Tabori. Im Krankenhaus ist die Desinfektion der Hände immer Pflicht, um alle Patienten, insbesondere aber die, deren Abwehrsystem geschwächt ist, vor der Übertragung von Keimen zu schützen. Daneben dient die Händedesinfektion aber auch zum eignen Schutz. Im normalen Büroalltag reicht es in der Regel sich regelmäßig die Hände zu waschen, zusätzliche Handdesinfektionsmittel und -gels sind hier meist nicht notwendig.

Auch harmlose Bakterien werden abgetötet

Desinfektionsmittel töten nicht nur krankmachende, sondern auch gesundheitlich unbedenkliche Keime der natürlichen Hautflora ab, die zu Millionen unsere Haut besiedeln und den Körper vor Eindringlingen schützen. „Zudem enthalten die Desinfektionsmittel Inhaltsstoffe, die nicht nur den Mikroorganismen, sondern auch dem Körper und der Umwelt schaden können. Sie können Allergien, Ekzeme oder beim Verschlucken sogar Vergiftungen auslösen – vor allem wenn sie in falschen Dosierungen verwendet werden“, berichtet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bei einem nur gelegentlichen Einsatz und ohne eine spezielle Empfindlichkeit gegen einen der Inhaltsstoffe sei das Risiko aber eher nachrangig, erklärt Tabori. „Ist die Haut jedoch angegriffen oder besteht eine Allergie gegen Inhaltsstoffe des Präparates, so kann es sinnvoll sein, sich vor dem Einsatz den Rat des Hausarztes zu holen.“ 

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