Krankheiten

Schlaganfall: Wieso jede Minute zählt!

270.000 Deutsche erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall. Meist sind sie älter, doch selbst Kleinkinder können betroffen sein. Schon wenige Minuten können über Leben und Tod entscheiden. Aber wie reagiert man im Notfall richtig?

© iStock-Chalabala

Ein Schlaganfall zählt zu den häufigsten Todesursachen. Doch auch, wenn Betroffene ihn überleben, können schwere Schäden bleiben, wenn die Ersthelfer nicht sofort reagieren und den Notarzt rufen. 

Nur scheinbar kommt der Schlaganfall ganz plötzlich aus dem Nichts. Es gibt zwei Ursachen: ein Gefäßverschluss oder eine Hirnblutung. 

  • Der Gefäßverschluss, auch Hirninfarkt oder ischämischer Infarkt genannt, ist bei etwa 80 Prozent der Patienten der Fall. Hierbei lagern sich über die Zeit verschiedene Stoffe wie Kalk, Blutfette und Bindegewebe an den inneren Wänden der Blutgefäße ab. Diese Verkalkung, auch Arteriosklerose genannt, kann auch in den Gehirngefäßen oder zuführenden Arterien stattfinden. Dadurch werden diese rau, starr und verengen sich. Werden sie zu eng oder verschließen sich sogar komplett, können die dahinterliegenden Areale nicht mehr mit frischem Blut versorgt werden. Ebenfalls möglich ist, dass sich ein Blutgerinnsel löst und bis ins Gehirn geschwemmt wird. Sehr häufig stammen diese aus dem Herzen (v. a. bei Vorhofflimmern) oder der Halsschlagader.
  • Die Hirnblutung wird von Medizinern auch hämorrhagischer Schlaganfall genannt. Ausgelöst wird dieser durch ein platzendes Blutgefäß – oft aufgrund von Bluthochdruck. Es kommt ebenfalls zu einer Unterversorgung der dahinter liegenden Hirnregion. Ferner schädigt der Druck des ausfließenden Blutes das umliegende Gewebe direkt. 

Gehirnzellen sterben ab

Egal, wie der Schlaganfall zustande kommt, besteht folgendes Problem: Wenn Hirnareale nicht richtig durchblutet werden, bekommen sie auch keinen Sauerstoff und keine Nährstoffe mehr. Schon nach kurzer Zeit nimmt das Gewebe Schaden, Nervenzellen sterben ab – mit jeder Minute mehr. Ist das Gehirn zu lange minder versorgt, stirbt der Patient. Wird rechtzeitig eine lebensrettende Therapie eingeleitet, sind die bleibenden Schäden individuell verschieden, meist abhängig davon, wie lang die Durchblutung gestört war. Mögliche bleibende Schäden sind Lähmungen, Schluckbeschwerden, Sprach- und Verständnisstörungen, Sehprobleme, verminderte Denkleistung und Aufmerksamkeit. Eine intensive Behandlung u. a. mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie im Rahmen einer Rehabilitation kann diese Beschwerden oft mindern. Allerdings zeigen auch nach einem Jahr noch über die Hälfte der Patienten Einschränkungen.

Therapie

Verschließt ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn, kann ein Medikament helfen, dass das Gerinnsel auflöst. Dieses spritzen die Ärzte über die Vene. Das Verfahren nennt man Lyse oder systemische Thrombolyse. Gute Wirksamkeit zeigt es jedoch nur in den ersten vier Stunden nach Beginn des Schlaganfalls. Daneben kommt auch die mechanische Thrombektomie zum Einsatz, insbesondere wenn große Gefäße verstopft sind. Hierbei führt der Arzt einen Katheder über die Leiste an die betroffene Stelle und saugt das Gerinnsel ab. Teils ist auch eine Kombination aus beiden Methoden eine Option.

Anders sieht die Behandlung bei einer Hirnblutung aus, hier gilt es die Blutung zu stoppen und das Blut zu entfernen. Über einen Schlauch in der Hirnkammer kann das Blut abfließen. Teils sind auch eine Operation oder ein Kathederverfahren nötig. Bei kleinen Hirnblutungen kann eventuell konsequente Bettruhe ausreichen. Dabei ist es wichtig den Blutdruck engmaschig zu überwachen. Ist er zu niedrig, wird das Gehirn schlecht versorgt, ist er zu hoch, kann es neue Blutungen geben.

Warnzeichen erkennen

Die Symptome eines Schlaganfalls unterscheiden sich von Patienten zu Patienten, abhängig davon welches Gehirnareal betroffen und wie stark die Minderversorgung ist. Treten die folgenden Alarmzeichen auf, wählen Sie sofort 112 und sagen Sie gleich, dass es sich wahrscheinlich um einen Schlaganfall handelt. Eine genaue Beschreibung der Warnzeichen eines Schlaganfalls finden Sie hier.

  • Kraftminderung, Taubheit, Lähmungen meist nur in einer Körperhälfte (ein Arm nicht anhebbar)
  • Sprach- und Sprachverständnisstörungen
  • Benommenheit, Bewusstlosigkeit, Verständnisstörung
  • Sehstörungen
  • Einseitige Gesichtslähmung (herabhängender einseitiger Mundwinkel, ein geschlossenes Auge)
  • Schwindel, Übelkeit, Gangunsicherheit, Gleichgewichtsstörungen
  • Kopfschmerzen
Den sogenannten FAST-Test sollte generell jeder im Hinterkopf haben. Und so geht er: Bitten Sie den Patienten zu lächeln (F wie face), dann soll er beide Arme gleichzeitig vor dem Körper anheben (A wie arms) und einen leichten Satz nachsprechen (S wie speech). Kann der Patient Ihre Anforderungen nicht erfüllen, sollten alle Alarmglocken schrillen. 

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