Auslandsberatung

Reiseimpfungen: Das sollten Urlauber beachten

Wer sich vor einem Auslandsaufenthalt frühzeitig und individuell über das Thema Reiseimpfungen beraten lässt, ist nicht nur gegen Krankheiten besser geschützt, sondern auch gegen Stress bei der Vorbereitung für den Trip.

© Imago-suedraumfoto

Urlaubsvorbereitungen beschränken sich oftmals nicht nur aufs Kofferpacken und die Frage, welcher Nachbar die Pflanzen gießt und das Haustier füttert. Ein unterschätzter Stolperstein vor allem bei Reisen ins außereuropäische Ausland sind Impfungen. Diese können nicht nur das Krankheitsrisiko in der Ferne verringern, sondern sind in manchen Fällen sogar gesetzlich vorgeschrieben. So besteht etwa in bestimmten afrikanischen und südamerikanischen Ländern eine Impfpflicht gegen Gelbfieber. Der Nachweis der Impfung kann sogar bei der Einreise verlangt werden. Wer dann keinen Nachweis dabei hat, darf womöglich nicht einreisen. Ein unnötiges Risiko. 

Doch oft denken Reisende entweder gar nicht an dieses Thema oder beschäftigen sich zu spät damit. Michael Zaubzer, Fachberater Ausland bei der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) empfiehlt, sich rechtzeitig darüber erkundigen: „Für die Hepatitis-A- und B-Impfung ist ein Monat einzuplanen. Zwischen den ersten beiden Spritzen sollten 28 Tage liegen.“ Wer einen längeren Auslandsaufenthalt oder eine Fernreise plant, sollte sich also spätestens zwei Monate davor über die Impfempfehlungen in seinem Zielort informieren, um diese und andere Reisevorbereitungen stressfrei zu treffen. 

Unterschätzte Risiken – was Italien mit den Tropen gemein hat

„Impfungen sind enorm wichtig, wenn ich mich mit einem Auslandsaufenthalt über mehrere Monate in Ländern außerhalb der europäischen Union beschäftige“, so Michael Zaubzer von der SBK. Doch auch bei Reisen in ein weniger exotisches Nachbarland innerhalb der EU kann eine Recherche zum Thema Impfungen wichtig sein. Wer keine Vorerkrankungen hat, keine Dauermedikamente einnehmen muss und lediglich zwei Wochen Strandurlaub auf Mallorca macht, für den reicht es gegebenenfalls aus, die Vollständigkeit seiner Grundimpfungen (unter anderem Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Polio) zu überprüfen. 

Aber selbst bei einem verhältnismäßig nahen Reiseziel kann eine besondere Impfung nötig sein, wenn z.B. ein aktueller Anlass das nahelegt. So kam es 2007 zu einem regional begrenzten Ausbruch des Chikungunya-Fiebers in der italienischen Provinz Ravenna. Eigentlich ist das Chikungunya-Virus in den Tropen zuhause. Doch Tropenviren wie auch das Denguefieber verbreiten sich zunehmend auch am Mittelmeer, weil sich Überträger-Mücken in den letzten 20 Jahren stark in mediterranen Gefilden ausgebreitet haben. 

Impfberatung muss individuell sein

Gründe für Reisen gibt es viele. Doch egal ob Urlaub, Sabbatjahr, Schüleraustausch, Au-Pair-Stelle, Auslandssemester oder Jobangebot auf einem anderen Kontinent – generell sollte man sich vor jedem Reiseantritt über die Einreisebestimmungen des Landes informieren. Und dazu gehören eben auch die empfehlenswerten oder gar erforderlichen Impfungen. Eine erste Übersicht geben Stellen wie das Auswärtige Amt, das Centrum für Reisemedzin (CRM), Webseiten wie fit-for-travel.de und die Krankenkassen. Die Siemens Betriebskrankenkasse beispielsweise bietet eine eigene Auslandsberatung. Auch Gesundheitsreisebüros mit speziell geschultem Personal bieten Beratung zu reisemedizinischen Themen wie Impfvorschriften. 

Im Anschluss sollte man sich, gerade bei exotischeren Destinationen, bei einem Reisemediziner vorstellen. Das können Tropeninstitute oder auch niedergelassene Ärzte mit reisemedizinischer Zusatzausbildung sein. „Online-Informationen sind nur allgemein und pauschal, doch welche individuellen Impfungen angeraten sind, hängt von mehreren Faktoren ab“, sagt Prof. Dr. med. Tomas Jelinek. Der 51-Jährige ist der wissenschaftliche Leiter am Centrum für Reisemedizin (CRM) in Düsseldorf und medizinischer Direktor am Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin (BCRT). Auch Michael Zaubzer von der Siemens Betriebskrankenkasse betont: „Unsere Auslandsberatung ersetzt keine ärztliche Beratung. Die letztendliche Entscheidung, was geimpft werden soll oder muss, kann nur ein Arzt treffen.“

Entscheidend ist wann und wohin

Manche Krankheiten lassen sich in Hinblick auf ihre Häufigkeit eingrenzen. Beispiel Gelbfieber: Während es in Lateinamerika und dem tropischen Afrika ein großes Thema ist, wird eine Impfung in Australien nicht benötigt. Die japanische Enzephalitis, eine durch Mücken übertragene Virenerkrankung, ist dagegen in Teilen Asiens verbreitet. Die durch Zecken übertragene FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) kommt in Europa aber auch in Nordasien und Nordkorea vor. Doch selbst innerhalb ein und desselben Landes, kann es unterschiedliche Impfempfehlungen geben. Einem Backpacker im Hinterland wird möglicherweise eine Impfung angeraten, die in der zivilisierten Hauptstadt nicht nötig ist. Auch der Zeitpunkt der Reise kann wichtig sein: So erhöhen die Regenzeiten das Infektionsrisiko für Krankheiten wie Malaria und Dengue-Fieber. Der Grund: Während und nach den Regenzeiten stehen für die übertragenden Mücken mehr Brutplätze zur Verfügung. 

Und während manche Krankheiten lokal begrenzt sind, treten andere weltweit auf. Das Risiko, an Typhus, Meningitis sowie Hepatitis A oder B zu erkranken, hängt auch vom Verhalten des Reisenden ab – beispielsweise vom Mückenschutz und der Hygiene. Ein anderer Risikofaktor liegt nicht in der eigenen Hand: Unfälle. In Ländern mit mangelhafter medizinischer Hygiene besteht ein erhöhtes Infektionsrisiko mit Hepatitis B, weshalb eine Impfung gegebenenfalls ratsam sein kann. Auch die Kenntnis über die Verfügbarkeit eines Impfstoffs im Reiseland kann die Entscheidung für oder gegen eine Impfung beeinflussen. In Ländern wie Sri Lanka und Myanmar sucht man beispielsweise vergeblich nach einem Impfstoff gegen die tödlich verlaufende Tollwut, weshalb hier eine Impfung vor der Reise ratsam ist.

Impfkritiker fürchten Impfschäden mehr als die Krankheit selbst. Zu Unrecht, wie der Mediziner Tomas Jelinek findet. „Bei der Pockenimpfung oder Tuberkuloseimpfung kamen früher tatsächlich in seltenen Fällen auch ernstzunehmende Impfschäden vor, doch bei den neueren kann man das weitestgehend ausschließen.“ 

Wer zahlt die Impfung?

So wichtig sie auch sein können: Reiseschutzimpfungen wie gegen Cholera, Gelbfieber oder Typhus sind keine gesetzliche Kassenleistung. Viele Krankenkassen bieten diese Mehrleistung daher nicht. Ob die eigene Kasse die Kosten für Reiseschutzimpfungen teils übernimmt, sollten Reisende daher vorab mit ihrer Kasse klären. 

Übrigens: Mediziner wie Tomas Jelinek freuen sich über jeden verantwortungsvollen Globetrotter. „Die Durchimpfungsrate in Deutschland ist eher schlecht“, so der Direktor am Berliner Centrum für Reise- und Tropenmedizin. „Die reisemedizinische Beratung ist daher eine großartige Chance, Erwachsene in die Praxis zu bekommen, um zu checken, ob die Grundimpfungen vorhanden sind. Das passiert sonst eher nicht.

Online-Tipp:

  • Auf crm.de kann man per Postleitzahl-Eingabe nach Reisemedizinern oder Reiseapotheken in der eigenen Nähe suchen.
  • Aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts finden sich auf diplo.de und über die App „Sicher reisen“.

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