Verhütung

Nebenwirkungen der Pille: Welche hormonfreien Alternativen gibt es?

Die Mehrheit der Frauen nimmt die Pille. Die hormonelle Verhütung hat jedoch nicht unerhebliche Nebenwirkungen, deswegen informieren sich immer mehr über hormonfreie Verhütungsmethoden. Life Goes On stellt die gängigsten Optionen vor.

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Für Frauen jeden Alters gibt es heute eine Fülle an verschiedenen Verhütungsmöglichkeiten. Über die Hälfte aller Frauen vertrauen dabei auf die Pille – bei den 18- bis 20-Jährigen sind es sogar 80 Prozent. Allerdings leiden beispielsweise bei den unter 24-Jährigen zwei Drittel unter Nebenwirkungen.

Unter anderem können Übelkeit, Kopfschmerzen, sexuelle Unlust, Gewichtszunahme und Depressionen auftreten. „Darüber hinaus gibt es sehr schwerwiegende Nebenwirkungen, die wir nicht häufig sehen, das sind die Thrombosen. Das Risiko ist unter der Pille etwas höher,“ erklärt die Frauenärztin Frau Dr. Rathnow. Bei einer Thrombose bildet sich ein Blutgerinnsel in den Blutgefäßen. Oft passiert das in den Beinvenen, aber es kann in jeder Art von Blutgefäß auftreten. Wenn sich der Klumpen löst und mit dem Blutstrom in andere Organe transportiert wird, kann er im schlimmsten Fall eine Lungenembolie, einen Schlaganfall oder Herzinfarkt auslösen. 

Künstliche Hormone

Doch wieso hat die Pille solche Nebenwirkungen? Sie enthält künstlich hergestellte Geschlechtshormone – wie zum Beispiel eine Kombination aus Östrogenen und Gestagenen. Diese Hormone verhindern eine Eireifung. Eine Schwangerschaft wird weitestgehend unmöglich. 

Doch von außen zugeführte Hormone stören das natürliche Gleichgewicht der Botenstoffe und können deshalb zu unerwünschten Nebenwirkungen führen. Dass die Pille sich dennoch so hoher Beliebtheit erfreut, liegt zum einen daran, dass Frauen die Pille einfach anwenden können. Außerdem gilt sie bei richtiger Einnahme als sehr sicher, manche Präparate können zudem das Hautbild verbessern und Regelschmerzen lindern.

Die Vorteile und Nebenwirkungen müssen Frauen abwägen, um sich für oder gegen die Pille zu entscheiden. Für manche Frauen ist sie als Verhütungsmethode generell nicht geeignet, zum Beispiel wegen familiärer Vorerkrankungen wie einem erblich bedingtem erhöhtem Thromboserisiko. Doch welche alternativen Verhütungsmethode gibt es, wenn Frauen die Pille nicht vertragen oder auf zusätzliche Hormone verzichten möchten? 

Mechanische Verhütungsmethoden

Es gibt mechanische Alternativen wie beispielsweise das Kondom. Es schützt als einzige Verhütungsmethode vor sexuell übertragbaren Krankheiten wie Aids oder Tripper und kann deshalb sogar zusätzlich als weitere Verhütungsmethode ratsam sein, besonders bei häufig wechselnden oder fremden Sexualpartnern. Der Pearl-Index (PI) von Kondomen beträgt zwei bis zwölf. Zum Vergleich: Der PI-Wert der Pille liegt zwischen 0,1 bis 0,9. Dieser Indikator bestimmt die Sicherheit von Verhütungsmitteln. Er nennt die Anzahl der Schwangerschaften, die bei 100 Frauen trotz eines bestimmten Verhütungsmittels im Jahr eintreten. Je kleiner die Zahl, desto sicherer ist also die Methode. Zwei bis zwölf bedeutet also, dass maximal zwölf von 100 Frauen in einem Jahr trotz Kondom schwanger werden.

Ein weiter Vertreter dieser Gruppe mit einer deutlich höheren Sicherheit ist die Kupferspirale. Ihr Pearl-Index beträgt 0,3 bis 0,8. Die Kupferspirale ist für einen längeren Zeitraum gedacht, sie wird für drei bis fünf Jahre eingesetzt und gibt kontinuierlich Kupferionen an die Gebärmutter-Schleimhaut ab. Die Ionen hemmen die Beweglichkeit der Spermien, sodass eine Befruchtung verhindert wird. „Außerdem bewirkt sie, dass die Schleimhaut der Gebärmutter so verändert wird, dass sollte es wider Erwarten zu einer Befruchtung kommen keine Einnistung stattfindet“, erklärt Frau Dr. Rathnow. Meist verstärkt sich durch diese Verhütung die Monatsblutung, eventuell auch die Regelschmerzen, außerdem kann es vor allem in den ersten Monaten zu Zwischenblutungen kommen. Der Frauenarzt muss regelmäßig den Sitz der Spitale kontrollieren.

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Körpersymptome richtig deuten

Eine weitere Alternative ist die natürliche Verhütung. Dabei geht es darum die fruchtbaren Tage im Zyklus zu erkennen und nur an den unfruchtbaren Tagen ungeschützten Geschlechtsverkehr zu haben. Da gibt es unterschiedliche Vertreter wie die Temperaturmethode, Zyklusapps oder den Verhütungscomputer, der je nach Modell beispielsweise die Basalttemperatur auswertet und die Hormonkonzentration im Urin misst.

„Eine relativ sichere Methode der natürlichen Verhütung ist die sogenannte symptothermale Verhütung nach Sensiplan,“ erzählt Frau Dr. Rathnow. Bei dieser Methode müssen Frauen täglich nach dem Aufwachen die Basaltemperatur messen und aufschreiben. Außerdem müssen sie die Beschaffenheit des Zervixschleims überprüfen. Das ergibt eine Kurve, die die Anwenderinnen auswerten müssen. Die Methode ist somit nur für äußerst disziplinierte Frauen mit einem gleichmäßigen Tagesrhythmus geeignet. Störende Einflüsse können unter anderem Erkrankungen, Stress und Alkohol sein.

Welche Methode ist die beste?

Tatsächlich kommt es auf die jeweilige Frau an, welche Verhütung passend ist. Unter anderem Lebensumstände, Kinderwunsch und familiäre Vorgeschichte spielen dafür eine Rolle. Jede Frau muss sich über ihre eigenen Bedürfnisse klar werden. Verunsicherte Frauen können sich jederzeit an ihren Frauenarzt wenden. „Dann ist es wünschenswert, wenn sie sich im Vorfeld schon selber mit dem Thema auseinandersetzen und mit gezielten Fragestellungen kommen. Beispielweise einige Krankenkassen bieten zu diesem Thema sehr gute Informationen an“, berichtet Rathnow.

Vera Hagemann, Fachexpertin für Arzneimittel bei der Siemens-Betriebskrankenkasse, erklärt: „Mit unseren persönlichen Kundenberatern und dem SBK-Gesundheitstelefon stehen wir unseren Kunden gerne bei Fragen rund um das Thema Verhütung zur Seite.“ Außerdem hat sie einen Tipp für die Internetrecherche: „Empfehlenswert sind unabhängige und wissenschaftlich fundierte Seiten, wie beispielsweise familienplanung.de vom Bundesamt für gesundheitliche Aufklärung oder dem Verein profamilia.“

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