Krankheiten

Mysteriöse Leichenfingerkrankheit trifft vor allem jungen Frauen

Schon der Griff an eine kalte Türklinke reicht und plötzlich werden ein oder mehrere Finger weiß, kalt und taub. Erfahren Sie, was hinter den merkwürdigen Symptomen steckt und ob die Erkrankung gefährlich ist.

© iStock-LumineImages

Schuld an der Veränderung in den Fingern ist eine gestörte Durchblutung infolge attackenartiger Gefäßkrämpfe. Schnell werden die Finger kalt, blass, später blau, fühlen sich taub an oder schmerzen. Dieser Zustand dauert meist Minuten lang an, manchmal sogar Stunden. Einige Patienten haben ein paar Mal im Jahr eine derartige Attacke, andere mehrmals täglich. Schießt das Blut wieder in die Finger ein, färben sie sich oft rötlich, jucken, kribbeln und stechen. Meist trifft es die Finger (sehr selten den Daumen), teils auch die Zehen. Umgangssprachlich spricht man von der Leichen- oder Weißfingerkrankheit, in der Fachsprache vom Raynaud-Syndrom, benannt nach dem Arzt Maurice Raynaud, der das Phänomen erstmals beschrieb. Mediziner unterscheiden zwischen dem primären und sekundärem Raynaud-Syndrom.

Genaue Ursache noch nicht geklärt

Vom primären Syndrom betroffen sind besonders häufig Frauen zwischen 15 und 40 Jahren; Männer erkranken selten. Mit zunehmendem Alter nehmen die Probleme meist ab. Eine erbliche Komponente ist wahrscheinlich, da oft mehrere Familienmitglieder die Attacken aufweisen. Oft leiden die Patientinnen zusätzlich an Migräne. Ferner stört Rauchen die Durchblutung und begünstigt daher die Leichenfingerkrankheit. 

In vielen Fällen folgen die Krämpfe auf Kältereize wie ein kühles Geländer oder Eis aus dem Gefrierfach. Zudem gelten auch starke Temperaturwechsel und psychischer Stress als Auslöser. „Weshalb die Blutgefäße bei Raynaud-Patienten empfindlich auf Kälte und Stress reagieren, ist noch nicht bekannt. Vermutlich kommt es zu einer Fehlregulation der Nervenfunktion in den Handgefäßen, wodurch sich die Gefäße zusammenziehen“, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e.V. (DGA). Störungen in den Blutgefäßen, den Nerven und im Hormonhaushalt scheinen dabei eine entscheidende Rolle zu spielen.

Rheuma und andere Krankheiten gehen voraus

Menschen mit dem sekundären Raynaud-Syndrom erleiden die Attacken infolge einer anderen Erkrankung. Dazu zählen Rheuma, Multiple Sklerose, Arteriosklerose, das Karpaltunnelsyndrom, Verletzungen und die Bindegewebserkrankung Sklerodermie. „Auch verschiedene Medikamente können das Raynaud-Phänomen auslösen oder dessen Symptome verstärken: Dies sind vor allem Betablocker, die meist als Blutdruckmittel, auch gegen Herzrhythmusstörungen, Migräne oder Zittern eingesetzt werden“, berichten die Experten der DGA. Ferner entwickeln Menschen, die an stark vibrierenden Geräten wie einem Presslufthammer arbeiten, oder Volleyballspieler immer wieder die Weißfingerkrankheit.

Wenn die Durchblutung nur kurz unterbrochen ist, hat man nichts zu befürchten. Halten die Krämpfe jedoch für länger an, können die Gefäße und das Gewebe Schaden nehmen. Dies passiert in der Regel nur bei der sekundären Form.

© iStock-Barb Elkin


Wie kann man Attacken abwenden?

Es gibt einige Maßnahmen im Alltag, die helfen die Gefäßkrämpfe und somit die unangenehme Durchblutungsstörung vorzubeugen:

  • Kälte meiden; insbesondere in Verbindung mit Feuchtigkeit
  • Handschuhe – möglichst Fäustlinge – schon bei Temperaturen um zehn Grad Celsius tragen
  • Taschenwärmer nutzen
  • Bei der Hausarbeit Gummihandschuhe anziehen, um zu verhindern, dass die Finger aufquellen und dadurch schnell abkühlen
  • Dicke Socken tragen
  • Wasserfeste Schuhe tragen
  • Entspannungstechniken wie autogenes Training zum Stressabbau erlernen
  • Die Fingermuskulatur mit einem Griptrainer stärken; dies verbessert die Durchblutung
  • Aufs Rauchen verzichten
Hat die Attacke schon begonnen, hilft es oft die Hände unter warmes Wasser zu halten oder an seinem Körper zu wärmen. Überdies sollte man die Finger bewegen und massieren.

Welche Medikamente helfen?

Bei sehr starken Beschwerden, die durch die allgemeinen Maßnahmen nicht besser werden, verschreibt der Arzt sogenannte Kalziumantagonisten wie Nifedipin. Diese erweitern die Muskulatur der Gefäße. Als Salbe auf die taube Stelle aufgetragen, kann das ebenfalls gefäßerweiternde Nitroglyzerin helfen. Bei dem sekundären Raynaud-Syndrom muss zudem natürlich die Grunderkrankung behandelt werden. „Weitere Substanzen kommen nur bei schweren, schmerzhaften Formen der Erkrankung infrage. In der Regel handelt es sich dabei um die sekundäre Form des Raynaud-Phänomens. Die Behandlung mit Medikamenten erfordert eine große Erfahrung – und sollte nur beim Gefäßspezialisten erfolgen“, betont die DGA. 

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