Wahrheit oder Mythos

Milch: Ist ihr schlechter Ruf berechtigt?

Früher galt ein Glas Milch als sehr gesund, insbesondere aufgrund des hohen Kalziumgehaltes. Vor einigen Jahren kippte die Meinung. „Milch macht krank“, „Milch begünstigt Krebs“, so die Schlagzeilen. Doch ist Milch wirklich gesundheitsschädlich?

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Seit mehr als 7.000 Jahren trinkt der Mensch Milch von Tieren. Durch die Veränderungen im Laktase-Gen – dem Enzym, das den Milchzucker (Lactose) spaltet – hat die Evolution es möglich gemacht, dass auch Erwachsenen Milch verdauen können. Früher waren nur Kinder dazu imstande. Kuhmilch ist nahrhaft, eiweißreich und enthält wertvolle Vitamine, Mineralstoff und Spurenelement. Ein Großteil des Kalziums sowie der B-Vitamine nehmen wir heutzutage über Milch, Käse und Joghurt auf. Doch nun verteufeln einige Milch. Sie soll unter anderem Asthma, Osteoporose, Diabetes und Krebs fördern. Die Verbraucher sind verunsichert: Ist der Vorwurf berechtigt? Wissenschaftler des Kompetenzzentrums für Ernährung (KErn) haben hunderte Studien durchforstet, um die Wahrheit ans Licht zu bringen.

Fördert Milch Krebs?

Sie fanden mehrere groß angelegte Studien, die den Zusammenhang von Darm-, Brust- sowie Prostatakrebs und dem Milchkonsum untersuchten. Das Ergebnis: Das Tumorwachstum wurde weder im Darm noch in der Brust durch Milch begünstigt. Ganz im Gegenteil: Manche Studien deuten darauf hin, dass das nahrhafte Getränk sogar vor diesen Krebsformen schützt. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Substanzen der Milch Krebs abwehren. Kalzium beispielsweise scheint an der Einleitung des programmierten Zelltods beteiligt zu sein und hilft so die entarteten Zellen zu vernichten. Und auch einige Fettbestandteile und Milchproteinen sollen das Tumorwachstum hemmen. 

Dies gilt jedoch nicht für alle Krebsarten. Nach aktuellem Forschungsstand soll der Konsum von 1,25 Litern Milch oder 140 Gramm Hartkäse pro Tag das Prostatakrebs Risiko erhöhen. Dies wird mit einem hohen Kalziumspiegel im Blut in Zusammenhang gebracht. „Bei einer familiären Veranlagung sollten Männer die Verzehrempfehlungen berücksichtigen – bei diesen Mengen besteht nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen kein erhöhtes Risiko für ein Prostatakarzinom“, schreiben die Forscher des KErn. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt als Orientierungswert 200 bis 250 Gramm Milch/Milchprodukte und zwei Scheiben fettarmer Käse. 

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Mürbe Knochen durch Milch?

Ein Glas Milch am Tag stärkt die Knochen, glaubte man lange. Jetzt sagen einige genau das Gegenteil: Milch fördere den Knochenschwund. Fakt ist, dass vor allem Kinder und junge Erwachsene ihre Knochendichte erhöhen, wenn sie viel Milch trinken. Eine hohe Knochendichte ist für die spätere Knochengesundheit entscheidend, denn ab dem 30. bis 35. Lebensjahr nimmt diese um rund ein Prozent pro Jahr ab. 

Einen wirklichen Zusammenhang von Milchkonsum und porösen Knochen bei Erwachsenen konnten die Forscher nicht entdecken, weder in negativer noch in positiver Hinsicht. Zwar nimmt die Anzahl der Osteoporosepatienten in westlichen Nationen zu, aber dies liegt generell an der schlechteren Ernährung, dem Bewegungsmangel sowie dem Konsum von Alkohol und Nikotin. Zudem gehen viele Menschen seltener in die Sonne, sodass es ihnen an den Knochen stabilisierenden Vitamin D fehlt.

Schadet Milch dem Herzen und den Gefäßen?

Gesättigte Fettsäuren, wie sie in tierischen Produkten zu finden sind, fördern Herz-Kreislauferkrankungen und Schlaganfälle, da dadurch unter anderem der LDL-Cholesterol-Wert (das „böse Cholesterin“) steigt. Dies wiederum fördert die Arterienverkalkung. Milchprodukte enthalten viele gesättigte Fettsäuren, insbesondere fettreiche Sorten, daher liegt die Annahme nahe, dass der Verzehr die Entstehung von kardiovaskuläre Erkrankungen begünstigt. Allerdings sei eine Bewertung von gesättigten Fettsäuren ohne Berücksichtigung der jeweiligen Lebensmittel heute nicht mehr zeitgemäß, da sie je nach Produkt sehr unterschiedliche Wirkungen ausüben, so die Wissenschaftler des Max Rubner-Instituts

Sie durchforsteten viele Studien und kamen zu dem Ergebnis, dass der Konsum von Milchprodukten das Risiko für einen Schlaganfall und Herz-Kreislauferkrankungen nicht erhöht, sondern eher reduziert. Ebenfalls positiv wirken sich Milchprodukte, speziell fettreduzierte, offenbar auf den Blutdruck aus. Auch das Risiko für Diabetes Typ 2 sinkt mit einem erhöhten Verzehr von Milch und Milchprodukten. Das Milch Asthmasymptome verschlimmert, da sie die Atemwege verschleimt, halten die Forscher für ein Mythos. 

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