Körper

Krummer Rücken: Was hilft gegen eine schlechte Haltung?

Brust raus, Bauch rein, Schultern runter – eine gerade Haltung wirkt anmutig und selbstbewusst. Doch ein Großteil der Bevölkerung neigt zu einem krummen Rücken. Stützkorsetts, Geradehalter (Bandagen) und Taps sollen Abhilfe schaffen. Doch wie sinnvoll sind diese Hilfsmittel wirklich?

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Die Mehrheit der Deutschen sitzt den ganzen Tag zusammengesunken vor dem Computer oder blickt auf ihr Smartphone. Noch dazu mangelt es vielen an Bewegung. Nicht selten resultiert daraus eine schlechte Haltung wie beispielsweise ein Rundrücken. Diese lässt einen nicht nur unsicher wirken, sondern kann auch zu Verspannungen, Atemproblemen sowie Kopf- und Rückenschmerzen führen. 

Wer den Entschluss fasst, endlich etwas gegen seine schlechte Haltung zu tun, sucht oft im Internet nach Tipps. Angepriesen werden hier sogenannte Geradehalter in Form von Bandagen, Stützkorsetts oder auch speziell gepolsterte T-Shirts – sie alle sollen die schlechte Haltung korrigieren. Das hört sich verlockend an, denn vielen fällt es schwer mit eiserner Disziplin den ganzen Tag den Rücken geradezurichten. Doch hilft das wirklich?

Passiv versus aktiv

„Eine gerade Haltung wird gesteuert vom Nerven- und Muskelsystem. Beide Systeme benötigen angemessene Reize. Das heißt, eine gerade Haltung kann langfristig nur durch körperliche Aktivität und Training erreicht werden, nicht durch passive Hilfsmittel“, erklärt Ulrich Kuhnt, Vorsitzender des Direktoriums des Bundesverbandes deutscher Rückenschulen e. V., im Gespräch mit Welt der Wunder. Nur bei bestimmten Erkrankungen oder körperlichen Einschränkungen können diese Hilfsmittel für einen begrenzten Zeitraum sinnvoll sein. „Sie sollten aber nur Anwendung finden, wenn sie ärztlich verordnet oder empfohlen werden. Gesunde Personen sollten möglichst auf den Einsatz von Bandagen oder Stützkorsetts verzichten, da diese langfristig tatsächlich die Muskulatur schwächen können“, warnt der Rückenexperte.

Und auch einen anderen Trend sieht Kuhnt in dieser Hinsicht kritisch: Kinesio-Tapes, die die Schulter in Position ziehen sollen. „Tapen ist eine therapeutische Maßnahme bei Muskel- und Gelenkverletzungen, aber es ist nicht geeignet zur Verbesserung der Körperhaltung.“ 

Das Ziel nicht aus den Augen verlieren: Üben und üben 

Es heißt also dranbleiben und trainieren. Dabei müssen die Übungen nicht immer schwierig sein: „Gehen Sie in die Skifahrerhocke und strecken Sie beide Arme nach vorne oben. Wiederholen Sie diese Übung jeden Tag zehn bis 20-mal“, empfiehlt Kuhnt. Welche Übungen sonst noch geeignet sind, weiß am besten ein Physiotherapeut. Doch nur wenn ein krummer Rücken Schmerzen verursacht, kann der Arzt die Physiotherapie auf Rezept verordnen. „Ein krummer Rücken ist pauschal kein Grund, Physiotherapie zu bekommen. Hierzu bedarf es einer genauen ärztlichen Diagnostik“, so Kuhnt. 

Es kann sich allerdings lohnen, der Gesundheit zuliebe ein oder zwei Stunden Krankengymnastik selber zu bezahlen (20 Minuten kosten zwischen 20 und 30 Euro) und sich verschiedene Übungen zeigen zu lassen. Anderenfalls findet man auch im Internet zahlreiche Videos, in denen Physiotherapeuten verschiedene Trainingsformen erklären und vormachen. Hat man passende gefunden, heißt es: üben, üben, üben! Es kann Monate dauern, bis sich die Haltung wirklich verbessert.

Ein genereller Tipp: Der Rücken leidet unter eintönigen Haltepositionen über Stunden hinweg wie das Sitzen am Schreibtisch. „Im Büro hilft am besten das dynamische Sitzen, d.h. wechseln Sie möglichst oft Ihre Sitzposition und vor allem Ihre Beckenstellung. Darüber hinaus hilft der möglichst häufige Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen“, rät der Experte. Sich steif an den Stuhlrücken zu lehnen, ist dagegen auf Dauer nicht zu empfehlen. 

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