Was uns Mediziner verschweigen – Teil 5

Kosten Medikamente mehr Leben, als sie retten?

Mehr als 650 Millionen Arzneimittel gehen jedes Jahr über den Apothekentisch. Was dabei kaum einer ahnt: Es ist in Deutschland bis zu 16-mal wahrscheinlicher, an der Einnahme verschriebener Medikamente zu sterben – als an einem Verkehrsunfall.

Apothekerin

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„Das Schlimme ist, dass alle Medikamente schädliche Nebenwirkungen haben – während viele auch unwirksam sind“, sagt Peter Gøtzsche, Facharzt für Innere Medizin und Leiter des Nordic Cochrane Center in Kopenhagen, Dänemark. Aber bedeutet das gleich, dass man nach der Einnahme von bestimmten Medikamenten gleich sterben kann?

Kein Zweifel: Arzneimittel retten Leben. Dennoch verschweigen viele Ärzte, dass jede Medikamenteneinnahme immer auch Risiken bedeutet – und gemeint sind nicht etwa die Exoten im Apothekerschrank. Ganz im Gegenteil.

Die unsichtbare Gefahr

„Die häufigsten Nebenwirkungen und Komplikationen werden durch die Medikamente verursacht, die auch am häufigsten verordnet werden“, sagte Keihan Ahmadi-Simab, Ärztlicher Direktor des Klinikums Stephansplatz in Hamburg. Und genau hier liegt nach Ansicht vieler Experten das Problem. Denn etwas, das harmlos wirkt, in Wahrheit aber gefährlich ist, ist für den Patienten gleich doppelt gefährlich.

Deutlich wird das am Beispiel von Antidepressiva. Professor Bruce Arroll von der University of Auckland fand heraus, dass solche Psychopharmaka nur bei einem von zehn Patienten Wirkung zeigen. Trotzdem werden die rund vier Millionen Menschen, die in Deutschland wegen Depressionen in Behandlung sind, auf diese Weise therapiert – obwohl den verschreibenden Ärzten klar sein muss, dass sie viele Patienten damit einem unnötigen Risiko aussetzen.
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Denn Tatsache ist auch: Antidepressiva haben enorme Nebenwirkungen. Professor Peter Gøtzsche, Direktor des Nordic Cochrane Centre, der die gesundheitlichen Begleiterscheinungen von Antidepressiva untersuchte, zeigt in einer Studie, dass allein in den westlichen Ländern mit rund 1,2 Milliarden Einwohnern jährlich rund 500.000 Menschen an den Nebenwirkungen dieser Behandlung sterben. Ein Beispiel dafür sind die sogenannten Selektiven-Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI).

Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Seit Jahren tobt in der Fachwelt ein Streit, da das Präparat im Verdacht steht, das Suizidrisiko deutlich zu erhöhen. Schuld daran ist nach Meinung vieler Experten die besondere Eigenschaft von auf SSRI basierenden Medikamenten. Sie sorgen dafür, dass depressive Menschen aktiver werden – ihre Antriebslosigkeit überwinden. Das Problem: Das Medikament verleiht jedem Vorhaben mehr Energie, und dazu gehören auch Suizidabsichten.

Besonders zu Beginn einer Behandlung kann sich „ein Patient noch depressiv fühlen und auch sterben wollen – während das Medikament bereits damit beginnt, den Antrieb zu verbessern“, erklärt Professor Andreas Meyer-Lindenberg vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim. Dennoch wissen selbst Kritiker der SSRI, dass es zurzeit kaum Alternativen zur Behandlung von zu mindestens schweren Depressionen gibt. Der Grund: Andere Antidepressiva haben noch mehr Nebenwirkungen.

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