Krankheit

Karpaltunnelsyndrom: Wenn die Hände kribbeln und schmerzen

Es fühlt sich an, als ob tausende Ameisen über die Finger laufen. Aber auch Taubheit und Schmerzen gehören zu den Beschwerden des Karpaltunnelsyndroms. Was können Betroffene dagegen tun?

© iStock-Tharakorn

Bei vielen Patienten kribbeln die Finger vor allem in der Nacht sowie nach dem Telefonieren oder Fahrradfahren, da hier das Handgelenk angewinkelt wird. Wenn sie die Hand schütteln, reiben oder einfach die Haltung ändern, kommt es zumindest im Frühstadium gewöhnlich rasch zur Linderung. Anfangs sind es vor allem die nadelstichartigen Missempfindungen, das „Einschlafen“ und leichte Schmerzen des Mittel-, Zeigefingers und Daumens, die stören. Diese Beschwerden strahlen teilweise bis in den Arm aus. Später kann sich jedes Greifen wie ein Stromschlag anfühlen. Die Schmerzen werden stärker, die Finger gefühllos und die Muskulatur des Daumenballens bildet sich zurück. Die Feinmotorik wird stark eingeschränkt und beispielsweise das Zuknöpfen des Hemdes zu einer Herausforderung.

Ursache für die Beschwerden ist ein eingeengter Nerv im Handgelenk. Der sogenannte Medianus-Nerv ist für die Empfindungen im Daumen, Mittel- und Zeigefinger zuständig. Ferner steuert er bestimmte Muskeln. Der Name Karpaltunnelsyndrom rührt daher, da dieser Nerv zusammen mit mehreren Sehnen im sogenannten Karpaltunnel, einer tunnelartigen Röhre im Handgelenk, liegt. 

Welche Behandlungen gibt es?

Wenn die Hand einmal kribbelt, ist dies kein Grund zur Panik. Halten die Symptome jedoch für einen längeren Zeitraum an oder werden schlimmer, sollte man zum Arzt gehen. Eine frühe Behandlung kann eine Operation und bleibende Schäden oft verhindern. Zudem kann nur der Arzt ausschließen, dass die Problematik nicht von der Halswirbelsäule herrührt.

Bestehen die Probleme erst wenige Wochen oder Monate, sind eine Armschiene für die Nacht und/oder entzündungshemmende sowie abschwellende Medikamente Mittel der Wahl. Das Kortison kann als einmalige Spritze verabreicht werden oder in Tablettenform für circa zwei Wochen. Hilft dies nicht, kann eine Operation notwendig sein. Meist wird diese ambulant und unter örtlicher Betäubung durchgeführt, manchmal auch unter Vollnarkose. Der Chirurg durchtrennt dabei das Band, welches den Karpaltunnel nach oben hin wie ein Dach abschließt. Der Nerv hat so wieder mehr Raum. Der Schmerz bessert sich in der Regel sofort, die Sensibilitätsstörung innerhalb einiger Tage bis Wochen. Für die Operationen kommen sowohl eine offene, als auch eine endoskopische Methode durch mehrere kleine Hautschnitte in Frage. Beide Verfahren zeigen gute Ergebnisse.

Wer ist betroffen?

Besonders häufig am Karpaltunnelsyndrom erkranken ältere Frauen, Übergewichtige und Menschen, die viel mit den Händen arbeiten. Die häufigsten Ursachen sind Entzündungen durch Überbelastung, Rheuma, hormonelle Veränderungen und Wassereinlagerungen in der Schwangerschaft ebenso Stoffwechsel- und Hormonerkrankungen wie Diabetes oder Gicht. Darüber hinaus können Arthrose (Gelenkverschleiß), Geschwülste, ungünstig verheilte Brüche der Speiche oder des Handwurzelknochens sowie ein veranlagter anatomischer Engpass dahinterstecken.

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