Psychische Krankheiten

Kann Nasenspray gegen Angststörung helfen?

Millionen Deutsche leiden an einer Angststörung. Diese zerrt an den Nerven, geht mit Symptomen wie Schlaflosigkeit einher und kann zu Problemen in der Arbeit oder Partnerschaft führen. In Zukunft könnte vielleicht ein Nasenspray die Angst dämpfen. Wie kann das funktionieren?

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Herzrasen, Schweißausbruch, Schwindel – schon die Steinzeitmenschen hatten Angst und das war auch gut so. Dieser Ur-Instinkt soll uns vor Gefahren schützen. Dafür schüttet der Körper im Ernstfall Adrenalin aus. Das Problem: Mehr als 15 Prozent der Deutschen, insbesondere Frauen, haben auch im Alltag Angst – einige sind ständig bekümmert und in Sorge, andere fürchten sich vor bestimmten Dingen wie offenen Plätzen oder leiden an Panikattacken. Angststörungen sind hierzulande die häufigsten psychischen Erkrankungen. Behandelt werden sie in der Regel mit Medikamenten und / oder Psychotherapie. Nun macht sich aber noch eine weitere Behandlungsmethode auf. Sie basiert auf dem Hormon Oxytocin. 

Der neue Ansatz ist von besonderer Bedeutung, da die Zahl der medikamentösen Neuentwicklungen stagniert, betont Prof. René Hurlemann, Direktor der Abteilung für Medizinische Psychologie des Universitätsklinikums in Bonn. Oxytocin, welches auch als Kuschelhormon bekannt ist, spielt eine wichtige Rolle im Sozial- und Sexualverhalten bei Menschen und Tieren. Neu sind die Erkenntnisse, dass es bei sozialen Störungen und psychischen Erkrankungen therapeutisch nützlich sein kann. „Das Hormon kann die Symptome verschiedener psychischer Erkrankungen lindern und so Patienten mit autistischen Störungen, Borderline-Persönlichkeitsstörung oder Angststörung helfen,“ sagt Hurlemann. Als Nasenspray angewandt, könne das Mittel ins Gehirn wandern und dort furchtdämpfend wirken. Auch Prof. Matthias Weber von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) findet die Ergebnisse spannend. Doch er ist sich sicher, dass das Hormon stets mit einer Psychotherapie kombiniert werden muss. 

Ein Hormon mit vielen Wirkungen

Schon lange ist bekannt, dass Oxytocin die Geburtswehen auslöst und die Muttermilch einschießen lässt. Zudem hilft es Müttern, eine Bindung zu ihrem Kind aufzubauen. Doch das Kuschelhormon kann mehr: „Studien haben gezeigt, dass Oxytocin sozialen Stress dämpfen, Vertrauen und soziale Kompetenzen steigern und die Reaktion des Mandelkernkomplexes (Amygdala) vermindern kann“, berichtet die DGE. Letzterer sei für Emotionen wie Angst und Wut zuständig. 

Noch gibt es ein kein angstlösendes Nasenspray in der Apotheke zu kaufen. Doch die Forschung läuft auf Hochtouren. Weltweit untersuchen Wissenschaftler aktuell in über hundert Studien, wie Oxytocin bei verschiedenen psychischen Erkrankungen wirkt und welche Dosis angebracht wäre. 

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