Krankheiten

Ist Herzrasen harmlos oder gefährlich?

Wenn wir aufgeregt sind oder uns sehr anstrengen, klopft das Herz stark. Bei einigen Menschen beginnt das Pumporgan jedoch auch wie aus dem Nichts an zu rasen. Ist das Grund zur Sorge?

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Spielt das Herz plötzlich verrückt, fühlt sich das für Betroffene sehr unangenehm, teilweise bedrohlich an: Oft kommen Schwindel, Atemnot oder Angstgefühle hinzu. Das muss nicht automatisch gefährlich sein. „Solche Anfälle von Herzrasen sollten allerdings beim Arzt abgeklärt werden, denn dahinter können auch gefährliche Herzkrankheiten stecken“, warnt der Kardiologe Prof. Dr. med. Paulus Kirchhof vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Vorhofflimmern als Ursache

In vielen Fällen wird der beschleunigte Herzschlag durch Vorhofflimmern ausgelöst. Diese häufigste Form von Herzrhythmusstörungen ist zwar nicht akut gefährlich, da die Herzkammern die größte Pumparbeit leisten. Allerdings kann sie zur Herzschwäche führen und es können sich in den Vorhöfen Blutgerinnsel bilden. Werden diese ausgeschwemmt und gelangen mit dem Blutstrom in den Kopf, können sie ein Hirngefäß verstopfen, also einen Schlaganfall auslösen. In Deutschland haben über 1,8 Millionen Menschen Vorhofflimmern und jedes Jahr verursacht es über 35.000 Schlaganfälle.

Bei Vorhofflimmern ist das Herz meist völlig außer Takt. Der erste Anfall kann mit heftigen Schlägen bis in den Hals hinauf, Druckgefühl im Brustkorb und einer ungewohnten Luftnot bei leichten Tätigkeiten (Treppensteigen) auftreten. Betroffene verspüren eine plötzliche Unruhe, wenn das Herz völlig unregelmäßig und schnell mit einem Puls von bis zu 160 Schlägen pro Minute rast, selten auch schneller. Die chaotische Herzschlagfolge kann aber auch mit einer normalen Herzfrequenz einhergehen – normal sind 60 bis 100 Schläge pro Minute.

Ist gutartiges Herzjagen die Ursache?

Doch nicht jedes Herzrasen hat eine ernsthafte Erkrankung als Ursache. Beginnen die Anfälle plötzlich, ohne jeden Anlass und lassen sie sich durch Manöver wie das Trinken eines Glases Wassers beenden, stehen die Chancen gut, dass es sich um gutartiges Herzjagen handelt. Diese Form der Herzrhythmusstörung kann zwar für Betroffene sehr belastend sein, ist aber in den meisten Fällen heilbar. „Ob Herzrhythmusstörungen harmlos, weniger harmlos oder lebensbedrohlich sind, kann nur ein Kardiologe nach ausführlicher Untersuchung des Patienten entscheiden“, betont Kirchhof.

Vorhofflimmern: Was jetzt?

Heißt die Diagnose Vorhofflimmern, ist eine konsequente Therapie mit Einnahme von gerinnungshemmender Medikamente („Blutverdünner“) wichtig. Zudem muss die Grunderkrankungen behandelt werden. Bluthochdruck liegt bei rund 70 Prozent aller Betroffenen vor. „Patienten mit Bluthochdruck und Vorhofflimmern sind zweifach belastet: Zum einen erhöht der Bluthochdruck aufgrund der Gefäßbelastung selbst das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko, zum anderen besteht durch das Vorhofflimmern die Gefahr, dass sich Blutgerinnsel bilden, die wiederum einen Schlaganfall auslösen können“, erklärt Grönefeld, Leiter der Abteilung für Kardiologe an der Asklepios Klinik Barmbek in Hamburg.

Weitere Ursachen für Vorhofflimmern sind unter anderem koronare Herzkrankheit (KHK), Herzschwäche (Herzinsuffizienz), Klappenerkrankungen, Übergewicht, Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen, COPD (chronisch obstruktive Lungenerkrankung) und Schlafstörungen (Schlafapnoe-Syndrom). „Diese Grunderkrankungen sind konsequent mit Medikamenten und einem gesunden Lebensstil zu behandeln: mit Ausdauertraining je 20 bis 30 Minuten 3- bis 5-mal die Woche, Abnehmen bei Übergewicht, gesunder Ernährung und Rauchverzicht“, sagt Prof. Dr. med. Andreas Götte vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt der Kardiologie am St. Vincenz-Krankenhaus in Paderborn. 
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