Krankheit

Ist Gürtelrose gefährlich und wann empfehlen Ärzte eine Impfung?

Seit neuestem übernehmen alle Krankenkassen die Kosten für die Impfung gegen Gürtelrose. Allerdings gilt dies nur für besonders gefährdete Menschen. Doch welcher Personenkreis gehört dazu, wie äußert sich Gürtelrose und wie gefährlich ist die Krankheit überhaupt?

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Das Hauptmerkmal von Gürtelrose ist ein streifenförmiger Hautausschlag, der sich meist wie ein Gürtel über den Oberkörper zieht – daher auch der Name. Die kleinen flüssigkeitsgefüllten Bläschen sehen nicht nur unschön aus, sondern schmerzen auch und können mit gefährlichen Komplikationen einhergehen. Der Erreger der Krankheit heißt Varizella-Zoster-Virus und stammt aus der Familie der Herpesviren. 

Seine außergewöhnliche Eigenschaft: Kommt eine Person (meist in jungen Jahren) erstmals mit dem Erreger in Kontakt, erkrankt sie an Windpocken. Nach einigen Tagen sind die juckenden roten Punkte wieder verschwunden und die Erkrankung ist überstanden. Sollte man denken. Doch die Viren verschwinden nicht. Sie ziehen sich in die Nervenknoten des Rückenmarks zurück und ruhen dort. 95 Prozent der Deutschen tragen diese schlafenden Viren im Körper, ohne etwas davon zu merken. Wenn das Immunsystem jedoch schwächelt, können die Erreger wieder aktiv werden und sich ausbreiten. Der Patient erkrankt an Gürtelrose (Herpes zoster). Meist sind es Personen über 50 Jahre oder welche mit einem schwachen Immunsystem zum Beispiel infolge einer anderen schweren Erkrankung. Selten bricht Gürtelrose bei Kindern und jungen Erwachsenen mit einem guten Abwehrsystem aus.

Ausschlag und Schmerzen

Flüssigkeits- oder blutgefüllte Bläschen auf rotem Grund sind charakteristisch für eine Gürtelrose. Die Bläschen sind zunächst einzeln verstreut, nach einigen Tagen verbinden sie sich und platzen. Bis alles abgeheilt ist, kann es mehrerer Wochen dauern. Der Ausschlag verläuft oft streifenförmig, da die Viren entlang der Nervenfasern wandern und dort Entzündungen auslösen. Oft zeigt er sich auf dem Brustkorb und Rumpf. Aber auch andere Körperteile können betroffen sein, sogar Augen und Ohren.

Bei Kindern verläuft die Gürtelrose in der Regel harmlos und heilt ohne Folgen. Anders ist dies bei älteren Menschen. Bei ihnen schmerzen die entzündeten Nerven stark. Viele haben sogar nach überstandener Erkrankung immer wieder Nervenschmerzen, teils ein Leben lang. Daneben können schwere Komplikationen auftreten: wie eine Gesichtslähmung, Sehstörung oder selten auch eine Gehirnentzündung, je nachdem welchen Nerv die Viren befallen. Um dies zu verhindern, erhält der Patient Virostatika; sie unterbinden die Virenvermehrung. Die Therapie ist umso wirkungsvoller, je eher sie eingeleitet wird. Man sollte daher schon beim ersten Verdacht auf Gürtelrose einen Arzt aufsuchen. Bei immungeschwächten Personen kann die Krankheit auf die inneren Organe übergehen und sogar tödlich verlaufen.

Ist Gürtelrose ansteckend?

Windpocken sind hochansteckend. Hat sich ein Kindergartenkind infiziert, breitet sich die Krankheit im Nu in der ganzen Gruppe aus, denn es reicht schon ein Nieser zur Virenübertragung. Gürtelrose ist ebenfalls ansteckend, allerdings nur die Flüssigkeit in den Bläschen. Kratz sich der Patient und berührt dann seinen Enkel, kann dieser beim Erstkontakt mit den Viren Windpocken, nicht aber Gürtelrose, bekommen. Daher heißt es, immer gut Hände waschen und die Bläschen abdecken.

Wer sich nicht anstecken will, kann sich gegen Windpocken und Gürtelrose impfen lassen. Zwar können auch Personen Gürtelrose bekommen, die gegen Windpocken geimpft wurden, allerdings ist dies seltener der Fall und der Verlauf ist meist schwächer. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2004 für alle Kinder und Jugendlichen die Varizellen(Windpocken)-Schutzimpfung. Dasselbe gilt für Frauen mit Kinderwunsch, da eine Windpockenerkrankung während der Schwangerschaft das Baby gefährdet

Neue Empfehlung

Gegen Gürtelrose gibt es in Deutschland zwei zugelassene Impfstoffe: einen Lebend- und einen Todimpfstoff. Letzteren empfiehlt die STIKO seit Dezember 2018 jedem ab 60 Jahren als Standardimpfung – zum Schutz vor Gürtelrose und den damit einhergehenden Komplikationen und Spätfolgen. Da Gürtelrose mehrmals auftreten kann, sollten sich auch Patienten impfen lassen, die die Krankheit bereits durchgemacht haben. Es sind zwei Impfdosen, die im Abstand von mindestens zwei bis maximal sechs Monaten gespritzt werden. Seit Mai 2019 übernehmen die Krankenkassen die Kosten. Darüber hinaus rät die STIKO Personen mit Immunschwäche oder einer schweren Grundkrankheiten wie Diabetes oder Asthma ab dem Alter von 50 Jahren zu dieser Impfung. Der Lebendimpfstoff darf bei dieser Gruppe dagegen nicht angewandt werden. 

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