Heilkunde

Helfen Zimt und Waldmeister gegen Migräne?

Gerinnungshemmer, wie beispielsweise Heparin, sollen bei entzündlichen Erkrankungen der Nerven helfen. So zeigen Studien am Tiermodell, dass sie das Krankheitsbild bei Multipler Sklerose verbesserten. Doch könnte eine solche Hemmung auch bei Migräne helfen?

© iStock-dionisvero

Die Kardiologin Dr. Bungard berichtete von einer 55-jährigen Patientin, die aufgrund anderer Probleme mit Warfarin behandelt worden. Warfarin ist ein auf dem amerikanischen Kontinent üblicher Gerinnungshemmer auf der Basis von Cumarin, das auch in Zimt oder Waldmeister zu finden ist. In Europa ist stattdessen das chemisch nahverwandte Phenprocoumon zugelassen.

Gerinnungshemmung reicht nicht aus

Ursprünglich litt die Frau unter Migräneattacken mit visuellen Wahrnehmungsstörungen. Nachdem sie mit Warfarin behandelt wurde, stoppten die Migräneanfälle komplett für zwölf Jahre. Schließlich wurde, wieder unabhängig von der Migräneerkrankung, die Behandlung auf das Mittel Apixaban geändert. Dieses Mittel ist ebenfalls ein Gerinnungshemmer, jedoch von anderer chemischer Struktur. Innerhalb von drei Wochen nach diesem Wechsel litt die Patientin wieder unter Migräne. Die behandelnden Ärzte wechselten daraufhin zurück auf Warfarin und beobachteten einen Rückgang der Migränesymptomatik innerhalb von Tagen.

Diese Fallstudie unterstützt einerseits vorherige Berichte über die Relevanz von Gerinnungshemmern bei der Behandlung von Migräne, zeigt jedoch auch: Die Hemmung allein nicht ausreicht. Wie genau Substanzen wie Warfarin und andere Vitamin-K-Gegenspieler, die eventuell auch nicht in der Gerinnungshemmung aktiv sein könnten, auf eine Migräneerkrankung einwirken, muss nun in Folgestudien untersucht werden. 

Achtung Nebenwirkungen!

Bevor nun Migränepatienten versuchen, sich selbst mit Zimt und Waldmeister zu therapieren, muss an dieser Stelle auf eine der Nebenwirkungen einer Überdosierung hingewiesen werden: Kopfschmerzen. Klingt paradox, allerdings liegt die tolerierte Tagesdosis von Cumarin bei gerademal 0,1 mg/kg Körpergewicht. Bei den EU-Höchstwerten für den Zimtgehalt handelsüblicher Zimtsterne (seit 2011: 50 mg/kg) dürften Erwachsene bedenkenlos einen kulinarischen Therapieversuch starten – allerdings nur, wenn keine Risiken für Blutungen bestehen.

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