Augen

Grüner Star (Glaukom): Warum die Früherkennung wichtig ist

Rund ein bis zwei Prozent der Deutschen sind an grünem Star erkrankt. Schwere Sehstörungen und sogar Erblindung sind mögliche Folgen. Das Problem: Selbst bemerkt man die Krankheit Jahre nicht. Doch nur wenn sie sofort behandelt wird, lässt sich Schlimmeres vermeiden. Ein Test beim Augenarzt schafft Klarheit.

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Der Hauptrisikofaktor für grünen Star ist ein über einen längeren Zeitraum erhöhter Augeninnendruck. Infolge einer mangelhaften Sauerstoff- und Nährstoffversorgung kann der Sehnerv so dauerhaft geschädigt werden. Im gesunden Auge liegt der Druck zwischen 10 bis 21 mmHG. Ist der Abfluss des sogenannten Kammerwassers gestört, steigt er stark an. Allerdings bedeutet ein erhöhter Augendruck nicht pauschal, dass ein Glaukom vorliegt und sogar bei normalem Druck kann grüner Star durch andere sehnervschädigende Faktoren entstehen, wie zum Beispiel eine verminderte Durchblutung, Erkrankung wie Diabetes, Entzündungen oder Verletzungen. 

Es gibt verschiedene Wirkstoffe in Form von Augentropfen, die das Voranschreiten von grünem Star aufhalten. Bei starken Beschwerden sind ein Lasereingriff oder eine Operation nötig. Das große Problem ist jedoch, dass die Betroffenen lange nicht merken, dass mit ihren Augen etwas nicht stimmt – und dann ist es zu spät, die Schäden sind nicht umkehrbar.

Gesichtsfeldausfälle sind typisch

Ein erstes Symptom von grünem Star ist ein von außen bogenförmig eingeengtes Gesichtsfeld. Man könnte denken, dass man solche Löcher sofort bemerkt, doch unser Gehirn täuscht uns und füllt die Stellen auf. „Die Ausfälle können höchstens indirekt bemerkt werden, zum Beispiel wenn der Patient zunächst einen Gegenstand übersieht und erst dann wahrnimmt, wenn er ihn unmittelbar anblickt (fixiert)“, berichtet die Gesellschaft für Augenheilkunde. Wenn der grüne Star fortgeschritten ist, kommt es auch zu Ausfällen im Zentrum. In der Regel ist erst ein Auge betroffen, zwei bis fünf Jahre später dann das andere. 

Ein Test gibt Klarheit

Der Augenarzt kann grünen Star früh erkennen, indem er einen Sehtest durchführt und den Augeninnendruck misst. Außerdem spiegelt er durch die Pupille den Augenhintergrund, um den Sehnervkopf, gelben Fleck und die Netzhaut zu beurteilen und prüft eventuell das Gesichtsfeld.

Experten empfehlen diese Untersuchungen jedem ab dem 40. Lebensjahr alle drei Jahren und ab 65 Jahren alle ein bis zwei Jahre. Menschen mit erhöhtem Risiko, also wenn sie dauerhaft Kortison einnehmen, Diabetes, Bluthochdruck oder starke Blutdruckschwankungen haben oder mehrere Verwandte unter grünen Star leiden, sollten schon mit 35 Jahren am besten jährlich zum Augenarzt gehen. Übrigens: Wer unter sehr starker Kurz- oder Weitsichtigkeit leidet, entwickelt ebenfalls eher ein Glaukom.

Zahlen muss man die Untersuchungen bislang selbst, denn sie gehören zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL). Das heißt die gesetzlichen Krankenkassen beziehungsweise der gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sieht den Nutzen der Untersuchungen als nicht vollkommen erwiesen. Die Kosten werden nur erstattet, wenn ein konkreter Verdacht besteht beispielsweise aufgrund von Gesichtsausfällen. Die Gesellschaft für Augenheilkunde betont dennoch die Wichtigkeit: „Insgesamt ist eine Früherkennungsuntersuchung der „Volkskrankheit Glaukom“ insbesondere bei Risikokonstallationen und bei älteren Personen dringend geboten, da selbst in den Industrienationen die Dunkelziffer nicht erkannter Glaukomerkrankungen inakzeptabel hoch ist (circa 50 Prozent).“ 
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Ist die Vorsorge sinnvoll oder doch nicht?

Doch nicht alle sind von diesen Maßnahmen überzeugt. Die Experten des IGeL-Monitors, welche alle IGeL-Leistungen kritisch unter die Lupe nehmen, halten die Messung des Augeninnendrucks zur Vorsorge und Früherkennung für „tendenziell negativ“.

Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass die Augeninnendruckmessung ein Glaukom nicht zuverlässig vorhersagen oder diagnostizieren könne, so ihre Meinung. „Wenn Studien etwas über Schäden aussagen, dann erwähnen sie übereinstimmend leichte Nebenwirkungen der Untersuchung selbst. Außerdem gehen wir bei Früherkennungsuntersuchungen grundsätzlich davon aus, dass sie falsche Befunde und unnötige Untersuchungen und Behandlungen mit sich bringen können, was die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen würde“, ergänzen die IGeL-Monitor Experten.

Ebenfalls als „tendenziell negativ“ stufen sie eine Augenspiegelung in Kombination mit einer Augeninnendruckmessung ein. „Können die beiden Untersuchungen zusammen wirklich verhindern helfen, dass Menschen schlechter sehen oder sogar blind werden? Wir haben keine Studien gefunden, die diese Frage untersucht haben. Wir können nicht sagen, dass die Kombination der beiden Untersuchungen wirklich nützlich ist, wir können es aber auch nicht ausschließen.“

Akuter Notfall

Neben dem chronischen Glaukom gibt es auch einen akuten Glaukomanfall bei dem der Druck auf über 60 mmHG ansteigen kann. Sehstörung wie Schleier und farbige Ringe, Schmerzen im Auge sowie Rötungen sind die Hauptanzeichen. Viele Patienten müssen obendrein Erbrechen und haben Kopfschmerzen. Wer diese Symptome zeigt, muss umgehend zum Arzt, da sonst eine Erblindung droht. Augentropfen und Medikamente, die teils intravenös gegeben werden, mindern den Druck in wenigen Stunden. Um einen neuen derartig immensen Druckanstieg zu verhindern, muss entweder mit dem Laser oder chirurgisch ein kleines Loch in die Regenbogenhaut gemacht werden, damit das Kammerwasser abfließen kann.

Kann man einem Glaukom vorbeugen?

Es gibt keine Möglichkeit sein eigenes Risiko für grünen Star auf Null zu senken. Generell sinnvoll ist eine gesunde Lebensweise mit einem normalen Body-Mass-Index (18,5 bis 25), regelmäßigem Sport und einer ausgewogenen Ernährung. Das fördert die Gefäßgesundheit, eine gute Durchblutung und einen optimal funktionierenden Stoffwechsel. Verzichten Sie zudem auf Zigaretten, der Rauch schädigt nachgewiesenermaßen den Gefäßen.

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