Ernährung

Gluten-Unverträglichkeit: Welche Rolle spielen die ersten Lebensjahre?

Infektionen im Babyalter erhöhen Forschern zufolge das Risiko, im späteren Leben unter einer Glutenunverträglichkeit zu leiden. Wiederholte Magen-Darm-Erkrankungen im ersten Lebensjahr könnten diese Störung verursachen.

© iStock-Kuzmik_A

Infektionen im frühen Kindesalter fördern das Risiko für eine spätere  Glutenunverträglichkeit (Zöliakie). Besonders wiederholte Infektionen mit einem harmlosen Darmvirus im ersten Lebensjahr erhöhen dieses Risiko, weil die Viren die Entwicklung einer Immuntoleranz gegen Gluten-Eiweiße verhindern. Diesen Schluss ziehen Wissenschaftler des Instituts für Diabetesforschung am Helmholtz Zentrum München.

In früheren Veröffentlichungen hatten die Wissenschaftler bereits einen Zusammenhang zwischen frühkindlichen Infektionen und der Entstehung von Typ-1-Diabetes nachgewiesen. Das höchste Erkrankungsrisiko beobachteten sie bei Kindern, die wiederholt unter Atemwegsinfektionen innerhalb der ersten sechs Lebensmonate litten.

Frühkindliche Infektionen mit Folgen

Nach der aktuellen Auswertung war hingegen das Risiko, an einer Zöliakie zu erkranken, besonders hoch, wenn im ersten Lebensjahr Infektionen des Magen-Darm-Trakts aufgetreten waren. Menschen mit Zöliakie vertragen das Klebereiweiß Gluten nicht, wenn ihr Darm nach der Geburt keine Immuntoleranz entwickelt hat. Gluten ist in den meisten Getreidesorten wie Weizen, Dinkel und Roggen enthalten. Betroffene müssen daher alle Lebensmittel vermeiden, die auf diesen Getreidesorten basieren. 

Zu einem geringeren Grad konnten die Forscher auch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko im Zusammenhang mit Atemwegserkrankungen in den ersten Lebensjahren nachweisen. Allerdings sieht es den Wissenschaftlern zufolge so aus, dass das erhöhte Zöliakie-Risiko eher mit einer dauerhaften Entzündung des Magen-Darm-Trakts in Zusammenhang steht – als mit einem spezifischen viralen oder bakteriellen Erreger. 

Die Wissenschaftler hatten anonymisierte Datensätze der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns von 295.420 Kindern ausgewertet. Berücksichtigt wurden ärztlich dokumentierte Infektionen seit der Geburt bis zum durchschnittlichen Alter von achteinhalb Jahren. Insgesamt entwickelten 853 Kinder eine Gluten-Unverträglichkeit, das entspricht einem Anteil von 0,3 Prozent. 

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