Zecken

Gefahr Borreliose: So zeigt sich die unterschätzte Krankheit

Hat sich eine Zecke festgesaugt, ist das nicht nur ekelig, sondern auch gefährlich. Neben Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) können die kleinen Viecher auch Borreliose übertragen – mit teilweise schweren Auswirkungen. Wir zeigen, wie man die Krankheit erkennt und sich am besten davor schützt.

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Übertragen wird Borreliose, korrekt Lymne-Borreliose, von Zecken. Die eigentlichen Krankheitserreger sind jedoch Bakterien der Gattung Borrelia, welche im Darm des Spinnentierchens auf ihren Einsatz warten. Sobald sich die Zecke angesaugt hat, wandern die Erreger langsam in ihre Speicheldrüsen. Mit dem Speichel gelangen die Bakterien in den menschlichen Körper. Allerdings dauert es einige Stunden bis sich eine kritische Anzahl an Borrelien im Speichel angehäuft haben. Und diese Tatsache sollte man nutzen: Sobald Sie eine Zecke bei sich oder Ihren Kindern entdecken, entfernen Sie sie sofort. Am besten mit einer speziellen Zange aus der Apotheke. Notfalls mit einer Pinzette oder den Fingernägeln. 

Wie viele Deutsche im Jahr an Borreliose erkranken, ist nicht genau bekannt. Schätzungen zufolge könnten es mehr als 200.000 sein. Infektionsgefahr besteht dabei grundsätzlich in jeder Region, wobei in einigen Gebieten die Fälle gehäuft auftreten. „Bei Untersuchungen aus Deutschland und der Schweiz wurde nach einem Zeckenstich bei 2,6 bis 5,6 Prozent der Betroffenen eine Antikörperbildung gegen Borrelien nachgewiesen“, berichtet das Robert Koch-Institut (RKI). Mit einer klinisch manifesten Erkrankung sei bei insgesamt 0,3 bis 1,4 Prozent der Menschen mit Zeckenstichen zu rechnen. 

Symptome einer Borreliose

Ob bei einem Zeckenstich Erreger übertragen wurden, merkt man erst nach einigen Tagen. Ist man tatsächlich erkrankt, können verschiedene Organsysteme betroffen sein: Haut, Nervengewebe, Gelenke und sogar das Herz.

Das Erythmea migrans, besser bekannt als Wanderröte, ist dabei das mit Abstand häufigste Symptom im Frühstadium. Es ist ein randbetonter, nicht erhabener, roter Kreis um den Zeckenstich mit einem Durchmesser von mindestens fünf Zentimetern. Die Röte zeigt sich im Schnitt erst nach sieben bis zehn Tagen. Sie kann aber auch schon nach drei Tagen oder erst nach einem Monat auftreten. Es gibt jedoch atypische Formen, die vom Aussehen und Zeitraum abweichen. Nur ein geschulter Blick eines Hautarztes gibt Klarheit. 

Neben der einzelnen Wanderröte haben einige Patienten auch multiple Erythemata migrantia. Dies sind mehrere rote, scharf begrenzte, ovale Kreise, unterschiedlicher Größe am Körper oder bei Kindern symmetrisch auf den Wangen. Darüber hinaus sind bei Borreliose Symptome wie Fieber, Muskel- und Kopfschmerzen, selten eine Hirnhautentzündung möglich. 

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Antibiotika verhindern Schlimmeres

Zeigt sich eine Wanderröte um den Zeckenstich, wenden Sie sich umgehend an einen Arzt. Dasselbe gilt, wenn sich keine Röte zeigt, sie aber grippeartige Symptome haben. Denn wer mit Lymne-Borreliose schnell zum Arzt geht, übersteht die Erkrankung in der Regel schnell und ohne Folgen. Im Frühstadium gibt es nämlich wirksame Medikamente: Antibiotika. Meist verschreibt der Arzt Doxcyclin oder Amoxicillin für zehn bis 30 Tage. Von einer generellen Antibiotikagabe bei jeglichem Zeckenstich raten die Experten des RKIs dagegen aufgrund der möglichen Nebenwirkungen ab. 

Der Arzt stellt die Diagnose Borreliose anhand der äußerlichen Anzeichen. Als Ergänzung dienen verschiedene Bluttest, welche Antikörper gegen die Borrelien nachweisen. Übrigens: Die Antikörper können nach erfolgreicher Therapie und überwundener Infektion noch Jahre im Blut sein. Andererseits braucht der Körper etwas Zeit, um Antikörper zu bilden, im Frühstadium fallen die Tests oft noch negativ aus.

Wer nicht rechtzeitig Antibiotika einnimmt, kann große gesundheitliche Probleme bekommen. Erkrankt der Patient an einer Neuroborreliose kann er unter anderem an ausstrahlenden Schmerzen in den Rückenmarksnerven, einer Gesichtslähmung, Hirnhaut- oder Skelettmuskelentzündung leiden. In den meisten Fällen zeigen sich diese Anzeichen nach wenigen Wochen bis Monaten. Ein Erythema migrans hatten dabei bis zu 46 Prozent der Pateinten im Vorfeld.

Schwere Spätfolgen

Eine weitere Folge der Borreliose kann die Lyme-Arthritis sein, eine dauerhafte oder schubweise auftretende Gelenkentzündung. Meist ist das Knie betroffen. Sehr selten verursacht die Borreliose eine Reizweiterleitungsstörung am Herzen oder eine Herzmuskelentzündung. Mediziner sprechen in diesem Fall von Lyme-Karditis. Daneben gibt es noch andere Hauterscheinungen, die jedoch selten vorkommen. Beim Acrodermatitis chronica athrophicans, welches zumeist an Armen und Beinen auftritt, schwillt die Haut zuerst an, später fallen die Haare aus und das Fett- und Bindegewebe reduziert sich und Blutgefäße treten hervor. Gelenke und Nervengewebe können dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Das Borrelien-Lymphozytom wird immer wieder bei Kindern beobachtet, es ist ein kleiner rötlicher Knoten oft an den Ohrläppchen, Brustwarze oder im Genitalbereich. 

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Vorbeugen ist das A und O

Im Gegensatz zu FSME gibt es in Deutschland keine Impfung gegen Borreliose. Der einzige Schutz ist es, sich Zecken vom Leibe zu halten und im Fall des Falles diese möglichst schnell zu entfernen. Gefährlich wird es im Frühling ab einer Temperatur von sechs Grad Celsius, denn dann werden die Schildzecken aktiv und lauern im Gras oder Gebüsch auf einen neuen Wirt. Mit folgenden Tipps können Sie sich schützen:

  • Tragen Sie feste Schuhe, lange Hosen und Shirts. Stecken Sie die Hose in die Socken.
  • Helle Kleidung, macht die kleinen Krabbler besser sichtbar.
  • Suchen Sie sich nach dem Aufenthalt im Freien nach Zecken ab, schauen Sie auch in die Hautfalten und auf den Kopf.
  • Waschen Sie Ihre Wäsche bei mindestens 60 Grad Celsius.
  • Hat sich eine Zecke angebissen, entfernen Sie sie unverzüglich. Erst nach einigen Stunden werden die Erger übertragen. Achten Sie dabei darauf das Tier möglichst ganz zu entfernen und nicht zu quetschen. Nutzen Sie nach Möglichkeit eine Zeckenzange oder -karte aus der Apotheke.  Ansonsten entfernen Sie die Zecke mit einer Pinzette oder den Fingernägeln. Ziehen oder schieben Sie die Zecke aus der Haut, nutzen Sie kein Öl.
  • Desinfizieren Sie den Stich.
  • Sogenannte Repellents für die Haut bieten einen zusätzlichen Schutz für einige Stunden.
  • Zecken von Katzen und Hunde wandern gerne auf den Menschen über und sollten entfernt oder mit einem Zeckenhalsband oder Antizeckenmittel von vornherein vermieden werden.

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