Vitaminpillen und Co.

Gefährden Nahrungsergänzungsmittel die Gesundheit?

Gelenkbeschwerden, Immunschwäche, Depressionen, Herzrhythmus-Störungen, sogar bestimmte Krebsformen – all diesen Erkrankungen soll man mit Vitaminpillen, Calciumpulver und Magnesiumtabletten vorbeugen können. Das zumindest propagieren die Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln.

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Und die Kunden glauben diesem Versprechen. Mehr als 1,1 Milliarden Euro geben die Deutschen jährlich für die rezeptfreien Präparate der Food- und Chemiekonzerne aus. 30 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nehmen regelmäßig Präparate, die Vitamine oder Mineralstoffe enthalten. Die alles entscheidende Frage ist jedoch: Halten die Hersteller auch ihr Versprechen? Die Antwort lautet: Nein. 

Aktuelle Studien zeigen, dass Folsäure weder vor Herzinfarkten, noch B-Vitamine vor Demenz schützen. Und auch die erhoffte Wirkung von Vitamin C gegen Erkältungsviren ist nicht wissenschaftlich erwiesen. Das ergab jetzt eine Untersuchung der Cochrane Collaboration, eines internationalen Netzwerks von Ärzten und Wissenschaftlern, das Hunderte Studien zur Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln ausgewertet hat.

Gefährlich anstatt förderlich

In einigen Fällen können Nahrungsergänzungsmittel jedoch sogar die Gesundheit gefährden. So heißt es beim Deutschen Krebsforschungszentrum: „Isoliertes Betacarotin, Vitamin E und möglicherweise einige andere Stoffe können das Krebsrisiko erhöhen.“ Gekoppelt an bestimmte Lebensumstände, können Vitaminpillen sogar verheerende Folgen haben: „Raucher, die Carotine einnehmen, bekommen häufiger Lungenkrebs. Männer, die Vitamin E und/oder Selen schlucken, steigern ihr Risiko für ein Prostatakarzinom.“ 

Zudem überschreiten viele Pillen die vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfohlene Tageshöchstdosierung. So zeigt eine Studie der Verbraucherzentralen über magnesiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel: 64 Prozent der untersuchten Präparate sind überdosiert, was zu Durchfall und Erbrechen führen kann. BfR-Präsident Andreas Hensel warnt: „In einigen Nahrungsergänzungsmitteln ist der Gehalt so hoch, dass bereits nach kurzfristigem Verzehr toxische Wirkungen möglich sind.“ Das BfR führt inzwischen lange Listen zu Nahrungsergänzungen, die negative Auswirkungen auf die Gesundheit haben. Dennoch gibt es bis heute keine Zulassungspflicht wie bei Arzneimitteln. 

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