Füße

Fußfehlstellung: Hallux valgus – was hilft?

Rund zehn Millionen Deutsche, insbesondere ältere Frauen, haben einen Ballenzeh. Der Hallux valgus sieht nicht nur in Sandalen unschön aus, sondern kann auch beim Gehen stören und schmerzen. Wir zeigen, wie die Fehlstellung des großen Zehs entsteht und wie sich die Beschwerden lindern lassen.

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Bei einem Ballenzeh ist das Grundgelenk des großen Zehs nach außen hin abgewinkelt. Oft ist die Stelle verdickt, gerötet und schmerzhaft. Es bilden sich Schwielen und der Schleimbeutel, welcher eigentlich die Knochen und Gelenke vor Druck schützen soll, entzündet sich. Dabei kann bereits eine kleine Abweichung große Probleme bereiten, andererseits kann auch eine extreme Fehlstellung keine Schmerzen verursachen.

Die Ursachen dafür sind vielfältig. Zu enge Schuhe, insbesondere Stöckelschuhe, können den Fuß beim häufigen Tragen in Mitleidenschaft ziehen. Besonders kritisch sind High-Heels, die vorne sehr spitz zulaufen. Ferner können ein angeborener Spreizfuß oder eine andere Fußfehlstellung für die Probleme verantwortlich sein. Neben den geliebten Pumps kommt bei Frauen noch ein Faktor hinzu: Sie neigen zu einem schwachen Bindegewebe, was sich mit einer Schwangerschaft noch verstärkt, und das betrifft auch die Bänder. Da diese Veranlagung vererbt wird, sollte ein Arzt die Füße von Kindern, deren Eltern betroffenen sind, regelmäßig kontrollieren. Darüber hinaus begünstigen Übergewicht, stehende Berufe und Rheuma einen Hallux Valgus. 

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Welche Behandlungsoptionen gibt es?

Es gibt eine Reihe an sogenannten konservativen Methoden, die die Beschwerden lindern und verhindern, dass sich der Hallux valgus verschlimmert und sich Arthrose bildet. Korrigieren können sie die Gelenke allerdings nicht. 

  • Medikamente, sogenannte nichtsteroidalen Antirheumatika wie Diclofenac, lindern die Schmerzen und die Entzündung.
  • Fuß- und Zehengymnastik stärkt die Sehnen sowie Muskeln und verhindert, dass die Fehlstellung fortschreitet. Das regelmäßige Bewegen der Zehen, beispielsweise mithilfe eines Igel- oder Tennisballs, lindert bereits bestehende Beschwerden und beugt diese zudem vor. Gute Übungen kann Ihnen ein Physiotherapeut zeigen.
  • Eine weitere einfache und sehr hilfreiche Maßnahme, die ebenfalls die Entstehung eines Ballenzehs vorbeugt: Barfußlaufen, speziell auf unebenen Untergrund. Ebenso geeignet sind Barfußschuhe.
  • Eine spezielle Schiene (Orthese) für den Tag oder die Nacht, drückt den Problemzeh zur Fußinnenseite. Mit der Zeit verändern sich so die Sehnen und Muskeln. Die Beschwerden bessern sich. Viele Patienten finden es unangenehm oder gar schmerzhaft die Schiene zu tragen. Es heißt durchhalten, nach einigen Wochen nehmen diese Nebenerscheinungen ab.
  • Sind die Schmerzen durch die Schiene unerträglich, kann eine Bandage eine Option sein.
  • Hallux-valgus-Schuhe bieten vorne etwas mehr Raum und engen die große Zehe nicht ein.
  • Einlagen, welche genauso in normale Schuhe passen, entlasten den vorderen Fußbereich.
  • Professionelles Taping mit elastischen Klebebändern gehört ebenfalls zum Behandlungsspektrum, dies muss man in der Regel jedoch aus eigener Tasche zahlen.
  • Ferner gibt es spezielle Ballenrollen, Zehenpolster sowie -spreizer.

Operation als letzte Wahl

Wenn alle konservativen Methoden keine Besserung bringen und die Schmerzen die Lebensqualität stark einschränken, kann eine Operation nötig sein. Der Arzt wählt individuell bei jedem Patienten eines der vielen verschiedenen Verfahren, wobei das Grundprinzip ähnlich ist. Bei mittelschweren Ballenzehen hat diese Maßnahme meist dauerhaften Erfolg.

Bei dem Eingriff korrigiert der Arzt die Gelenkkapsel und Sehnen. Überdies wird der Zeh begradigt, indem der Mittelfußknochen durchtrennt und neu ausgerichtet wird. Zur Fixierung verwendet der Arzt gewöhnlich Schrauben. Wenn bereits eine fortgeschrittene Arthrose vorliegt, kann es nötig sein, das Großzehgrundgelenk zu versteifen oder zu entfernen. Nach der Operation darf der Fuß vier Wochen lang nicht belastet werden, normales gehen ist nach rund acht Wochen möglich und Sport nach zwölf Wochen. 

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