Schädliche Materialien

Coffee-to-go-Becher aus Bambus schaden der Gesundheit!

Um die Umwelt zu schonen, setzten immer mehr Menschen auf wieder verwendbare Coffee-to-go-Becher. Besonders beliebt sind Behälter aus „Bambus“. Organisch, recyclebar, nachhaltig – steht oft auf der Verpackung. Das hört sich doch nach einem guten Naturprodukt an? Falsch, denn die Becher sind nicht nur aus Bambusfasern…

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Bambusbecher bestehen nicht nur aus Bambus. Zusammengehalten werden die Fasern nämlich von Kunstharz, oft Melamin-Formaldehyd-Harz (MFH) – und das ist das Problem. Schon in den letzten Jahren wurde das Material MFH insbesondere in Kombination mit Bambus immer wieder als bedenklich eingestuft. Jetzt hat eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) diesen Verdacht erneut bestätigt. Insgesamt flossen die Daten von 366 Bechern, Kindertassen und -tellern in ihre Analyse ein. 111 Gefäße waren aus herkömmlichem MFH und 180 waren als „Bambusware“ deklariert. 

Die Forscher gingen in ihrer Berechnung davon aus, dass ein Erwachsener fünfmal die Woche heißen Kaffee aus dem Becher trinkt und ein Kind täglich warmen Tee oder Brei aus dem Geschirr bekommt. Sie untersuchten, wie viel MFH auf heiße Getränke und Speisen (nicht kalte und lauwarme) übergeht, und verglichen die Mengen mit den offiziellen Richtwerten. Darunter versteht man die Mengen, die als gesundheitlich unbedenklich gelten, wenn man sie ein Leben lang jeden Tag aufnimmt. Für Melamin sind das 0,2 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag und für Formaldehyd 0,6 Milligramm. Allerdings nehmen wir auch über die Lebensmittel an sich schon Formaldehyd auf, daher sollte über das Geschirr nicht mehr als 20 Prozent, also 0,12 Milligramm, in den Körper gelangen. Zudem spielen nach Ansicht des BfR die einzelnen Konzentrationen ebenfalls eine Rolle.

Grenzwerte deutlich überschritten

Die Ergebnisse sind deutlich: Bei 25 Prozent des Bambusgeschirrs überschritt die Formaldehyd-Freisetzung den Grenzwert um das bis zu 30-fache für Erwachsene und um das bis zu 120-fache für Kinder. Auch die Konzentration war deutlich zu hoch (bis zum etwa 90-fachen). Reines MFH-Geschirr schnitt besser ab, da diese Becher eine glatte Oberfläche haben. Durch das untermischen von Bambusfasern wird die Oberfläche rauer und angreifbarer. Flüssigkeit dringt ein, die Bambusfasern quellen auf und Kunststoffteilchen lösen sich. Dies zeigte sich auch beim Melamin: Hier setzten die Bambusbecher doppelt so viel frei wie die reinen MFH-Tassen. Allerdings nicht so viel, dass es Erwachsenen schadet. Bei Kleinkindern wurde der kritische Wert jedoch um das Dreifache überschritten. Die Forscher stellten zudem fest, dass die freigesetzte Menge mit dem Gebrauch stieg. Das heißt, je öfter heißer Kaffee in die Tasse gefüllt wird, umso mehr schädliche Stoffe gelangen hinein – da das Material angegriffen wird. 

Finger weg von Bambusware

Die Experten des BfR halten ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für möglich, wenn man jeden Tag heiße flüssige Nahrungsmittel aus Geschirr mit MFH zu sich nimmt. Bei täglicher Verwendung von „Bambusware“ mit besonders hoher Formaldehyd-Freisetzung über einen längeren Zeitraum hält das BfR ein erhöhtes Gesundheitsrisiko für wahrscheinlich. Formaldehyd soll Entzündungen im Magen hervorrufen und wird als mutagen sowie krebserregend eingestuft. Melamin kann unter anderem Blasen- und Nierensteine verursachen und die Nieren allgemein schädigen. 

„Das BfR empfiehlt daher, keine heißen Speisen oder Getränke aus MFH-Geschirr zu essen oder zu trinken. Dies gilt sowohl für Geschirr aus „herkömmlichem“ MFH als auch in besonderem Maße für „Bambusware“-Geschirr“, so das Fazit der Experten. Sie betonen überdies, dass das Geschirr keinesfalls in die Mikrowelle darf.

Auf den Coffee-to-go-Becher verzichten muss man aber nicht. Es gibt gute Alternativen aus Edelstahl, Glas oder Porzellan. 

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