Krebsvorsorge

Brustkrebs – so wird die häufigste Krebsart bei Frauen erkannt

Brustkrebs ist mit Abstand die häufigste Krebsart bei Frauen. Allein in Deutschland sterben jährlich über 17.000 Betroffene daran. Doch die Chancen auf Heilung werden immer größer – dank effektiver Behandlungsmethoden und der Möglichkeit, den Krebs bereits im frühen Stadium zu erkennen.

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Etwa 69.000 Patientinnen pro Jahr erhalten hierzulande die Erstdiagnose Brustkrebs. Dazu kommen etwa 6.000 Tumore, die Vor- oder Frühformen von Brustkrebs darstellen, so die Zahlen des Deutschen Krebsregisters und des Zentrums für Krebsregisterdaten am Robert-Koch-Institut. 

Als erhöhtes Risiko gelten beispielsweise Brustkrebserkrankungen im familiären Umfeld, wenn die sogenannten „Risikogene“ BRCA1 und BRCA2 vererbt werden. Sie spielen bei geschätzt fünf bis zehn von hundert Patientinnen eine Rolle. Aber auch mit der hormonell bedingten Umstellung durch die Wechseljahre geht eine höhere Wahrscheinlichkeit einher, an Brustkrebs zu erkranken. Bewegungsmangel und Übergewicht sowie Alkohol gelten ebenfalls als ungünstige Einflüsse. Das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, soll dagegen reduziert sein, wenn eine Frau ein oder mehrfach schwanger war und gestillt hat. 

Laut der Deutschen Krebs-Gesellschaft ist mittlerweile jede achte Frau betroffen, während es vor wenigen Jahren lediglich noch jede zehnte war. Doch der Anstieg gibt keinen Anlass zur Sorge. Ein Hauptgrund dafür ist nämlich die bessere Früherkennungsrate. So sinkt trotz steigender Neuerkrankungen die Zahl der Sterbefälle. Die heutigen Behandlungsmethoden sind schonender und effektiver als früher. „Ein bösartiger Brusttumor kann in gut 90 Prozent der Fälle heilend behandelt werden, wenn man ihn rechtzeitig findet“, ist der Gynäkologe Dr. Frank Hoffmann sicher.

Früherkennung kann Spätfolgen verhindern

„Umso früher ich den Krebs entdecke, umso höher sind die Chancen, diesen tatsächlich heilen zu können“, erklärt Frauenarzt Dr. med. Lombardo. Man kann heute Krebs und seine Vorstufen deutlich früher feststellen als noch vor wenigen Jahrzehnten. „Eine Brustkrebsvorsorge erhöht die Heilungswahrscheinlichkeit und ist extrem wertvoll – aus meiner Sicht sogar noch wertvoller als eine Operation oder Chemotherapie.“ Der Vorsprung bei der Diagnose ist deshalb so kostbar, weil sich ein kleiner Tumor schonender und erfolgreicher bekämpfen lässt, als einer in einem späteren Stadium. 

Das Tückische an Brustkrebs: Er verursacht über lange Zeit keinerlei Beschwerden. Meist sind Patientinnen noch beschwerdefrei, wenn sich bereits Knoten ertasten lassen. Wer verunsichert ist, kann mit einer Beratung Klarheit schaffen. Bei der Suche nach einem auf Brustkrebs spezialisierten Gynäkologen kann der persönliche Kundenberater der Krankenkasse helfen. Außerdem arbeiten spezielle Krebsberatungszentren in ganz Deutschland interdisziplinär mit Fachleuten, unter anderem aus Gynäkologie, Genetik und Psychologie. Der eigene Gynäkologe kann Patientinnen an ein solches Beratungszentrum verweisen. 

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Mammographie ab 50

Ab dem 50. Lebensjahr erhöht sich das Brustkrebsrisiko, mit 70 sinkt es wieder. Deshalb haben gesetzlich Versicherte zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre das Recht auf eine sogenannte Mammographie. Bei dieser Röntgenuntersuchung werden bereits kleine Tumore sichtbar. Bei jungen Frauen ist dieses Verfahren allerdings nicht sinnvoll, sagt Dr. Frank Hoffmann: „Die Mammographie setzt eine ausreichende Strahlentransparenz des untersuchten Gewebes voraus. Gerade bei jungen Frauen ist das Brustgewebe vermehrt wasserhaltig und das Röntgenbild daher nicht mehr auswertbar.“

Blindes Vertrauen in helfende Hände

Um die Brustgesundheit sollte man sich in jeder Lebensphase kümmern, so der Experte. Er wünscht sich einen angstfreien Umgang mit dem Thema Vorsorge. Jüngere Frauen sind zwar selten betroffen, doch eine Gewissheit gibt nur eine Untersuchung. Fast drei von zehn Brustkrebspatientinnen sind bei der Diagnose jünger als 55 Jahre. 

Für junge Frauen ab 30 gehört statt der Mammografie das Abtasten der Brust und der Lymphknoten durch einen Facharzt einmal pro Jahr zu den gesetzlichen Vorsorgeleistungen. Die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) unterstützt darüber hinaus daher das Projekt „discovering hands“. Bei dem von Dr. Hoffmann gegründeten Praxisnetzwerk tastet eine speziell geschulte blinde Frau die Brüste der Patientinnen ab. Das vermeintliche Handicap zeigt sich hier als außergewöhnliche Fähigkeit: Blinde haben einen überdurchschnittlich stark ausgeprägten Tastsinn. Eine solche Medizinische Tast-Untersucherin ist Andrea Windbichler. Sie erklärt das Prozedere: „Erst werden die Lymphknoten abgetastet, dann die Brust im Sitzen, daraufhin legt sich die Patientin hin, ich klebe Streifen auf den Oberkörper und taste Reihe für Reihe die Brust ab.“ Wird etwas erspürt, ist das noch kein Grund zur Beunruhigung, denn oft handelt es sich um etwas Gutartiges. Dennoch muss bei einem Befund auf jeden Fall ein Arzt draufschauen, um Gewissheit zu schaffen. 

Kann man der eigenen Diagnose trauen?

Dr. Lombardo sieht einen wichtigen Nebeneffekt in dieser Methode: „Die Frau entdeckt selbst, wie wichtig die Untersuchung und ihr eigenes Gefühl bei der Untersuchung ist. Jetzt kann die Frau sich selbst untersuchen und eine Technik entwickeln, die ihr ermöglicht, einen kleinen Tumor selbst zu entdecken.“ Allerdings könne man eine sichere Vorsorge nur gewährleisten, wenn man sich regelmäßig untersuche – also eher einmal im Monat statt einmal im Jahr, so der Mediziner. Um zu lernen, wie man die Brust selbst untersucht, gibt es sogenannte „MammaCare“-Kurse. Mithilfe der wissenschaftlich anerkannten Methode MammaCare können Frauen ihre Brüste selbst abtasten. Krankenkassen wie die SBK erstatten einen Teil der Kursgebühr. Das ermöglicht Frauen, ergänzend zur Brustkrebs-Früherkennung durch den Arzt, den eigenen Körper auf Veränderungen regelmäßig zu untersuchen. Die Selbstuntersuchung sollte allerdings nie als alleinige Methode zur Früherkennung dienen, sondern mit anderen Untersuchungen, wie das Mammographie-Screening, kombiniert werden. 

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