Reisen

Auch schon in Portugal droht Hepatitis: Wie man sich schützen kann

Wer nach Thailand oder Vietnam fliegt, lässt sich meist gegen Hepatitis impfen. Aber auch schon im Mittelmeerraum lauert die Virusinfektion. Doch wie steckt man sich eigentlich an und wie kann man sich schützen?

© iStock-Dr_Microbe

Die Erwartungen, die Reisende an einen perfekten Urlaub stellen, sind sehr unterschiedlich. Einige suchen Entspannung, andere möchten sich mehr bewegen und dann gibt es noch die Urlauber, die maximalen Spaß suchen. Wie unterschiedlich die Ansprüche auch sind, einen Wunsch haben alle Reisenden gemeinsam: gesund nach Hause zurückzukehren. Damit dies gewährleistet wird und auch die Leber bei der Rückkehr so virenfrei ist wie bei der Anreise, sollten sich Reisende über Risikogebiete, Ansteckungswege und Schutzmöglichkeiten informieren.

„Über die Hälfte aller neu diagnostizierten Hepatitis A-Virusinfektionen in Deutschland sind ein ungewolltes Reisesouvenir", sagt Professor Dr. Michael Manns, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leberstiftung und ergänzt: „Die Hepatitis A wird als ‘Reisehepatitis‘ bezeichnet. Sie tritt häufig in beliebten Urlaubsländern mit geringen Hygienestandards auf wie beispielsweise im Mittelmeerraum (unter andrem in Tunesien, Portugal und Kroatien), Südostasien, Russland, Afrika, Mittel- und Südamerika sowie dem Vorderen Orient.“

Vorsicht vor verunreinigtem Essen und Trinken

Übertragen wird das Hepatitis A-Virus (HAV) durch Schmier- oder Kontaktinfektion, wenn Kot in den Mund gelangt. Infizierte Personen scheiden die Erreger nämlich über den Darm aus. Die Viren verfügen über eine ausgeprägte Umweltstabilität sowie über hohe Thermostabilität und Desinfektionsmittelresistenz. Beispielsweise kann der Verzehr von ungenügend gegartem Gemüse oder das Trinken von belastetem oder verunreinigtem Trinkwasser (auch als Eiswürfel) zu einer Infektion mit dem HAV führen. 

Diese Infektion mit dem HAV kann eine akute Leberentzündung verursachen, die jedoch nicht chronisch verläuft und bei gesunden Menschen oft ohne ernsthafte Komplikationen ausheilt. Die Beschwerden sind meist unspezifisch und können Fieber, Übelkeit, Appetitlosigkeit sowie typische Symptome einer Gelbsucht (gelbe Haut und Augen) umfassen. In seltenen Fällen wie beispielsweise bei älteren Menschen kann Hepatitis A auch zu einem akuten Leberversagen führen. Gegen Hepatitis A gibt es keine spezifische Therapie. Der sicherste Schutz ist die prophylaktische Impfung. „Binnen zwei Wochen kann ein 95-prozentiger Schutz erlangt werden. Da die Inkubationszeit mindestens zwei Wochen beträgt, ist aber auch eine Immunisierung auch kurz vor Reiseantritt noch sinnvoll“, schreiben die Experten des Tropeninstituts

© imago/Christian Ohde

Der Hepatitis B-Virus gelangt über kleinste Verletzungen in den Körper

Auch gegen das Hepatitis B-Virus (HBV), das ein weiteres Infektionsrisiko im Urlaub darstellen kann, ist eine Impfung der sicherste Schutz. Bei der Verwendung von Kombinations-Impfstoffen, die gegen Hepatitis A und B schützen, ist die Anzahl der notwendigen Injektionen vermindert. Das Auswärtige Amt empfiehlt die Hepatitis B-Impfung in vielen Ländern mit schlechterem Hygienestandard zusätzlich zur Hepatitis A-Impfung insbesondere bei Langzeitaufenthalt und besonderer Exposition zum Beispiel bei nahem körperlichen Kontakt mit Einheimischen. Auf der Seite des Auswärtigen Amtes kann man sich darüber informieren, welche medizinischen Maßnahmen in welchem Land nötig sind.

Übrigens: Mit der Impfung gegen Hepatitis B ist sogar ein doppelter Schutz gewährleistet: Der Impfstoff gegen das HBV schützt auch gegen die Hepatitis delta, da diese nur zusammen mit Hepatitis B auftritt.

Weltweit sind etwa 240 Millionen Menschen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) chronisch mit dem HBV infiziert. Die Ansteckung mit dem HBV erfolgt über Körpersekrete wie Blut, Sperma oder Speichel. Neben ungeschütztem Sex zählen Tätowierungen oder Piercings, die nicht steril durchgeführt werden, zu den häufigsten Übertragungswegen. Auch bei Kontakten mit der Gefahr kleinster Hautverletzungen wie beim Barbier, bei der Fußpflege oder bei unvorhergesehenen ärztlichen und zahnärztlichen Behandlungen besteht ein Infektionsrisiko, wenn unhygienische Bedingungen im Reiseland herrschen. Meist bemerken Infizierte nichts von ihrer Erkrankung. Kommt es jedoch zu einer chronischen Leberentzündung, besteht ein erhöhtes Risiko für bindegewebsartige Veränderungen der Leber (Fibrose) oder für eine Zirrhose.

Hepatitis C bleibt oft lange unentdeckt

Gegen das Hepatitis C-Virus (HCV), einem weiteren Hepatitis-Erreger, steht bisher keine Schutzimpfung zur Verfügung. Das HCV wird fast ausschließlich über Blut-Kontakte übertragen. Unsterile Tätowiernadeln, Piercings oder Rasiermesser sind die Haupt-Infektionsquellen. In einigen Regionen Asiens oder Afrikas tragen mehr als fünf Prozent der Bevölkerung das Hepatitis C-Virus in sich. Es gibt heute sehr wirksame Therapien gegen Hepatitis C. Die Heilungsraten liegen in der Regel zwischen 90 und 100 Prozent. Allerdings wird die Erkrankung oft spät erkannt und kann unbehandelt in einer Leberzirrhose oder einem Leberzellkrebs münden. Laut WHO sind etwa 71 Millionen Menschen weltweit chronisch mit HCV infiziert. Die chronische Hepatitis C zählt nach der Fettleberhepatitis zur zweithäufigsten Ursache von Leberzirrhose und Leberzellkrebs in Deutschland.

„Bei allen Infektionen mit einem Hepatitis-Virus ist die frühe Entdeckung die Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung. Der beste Schutz der Gesundheit ist die Vermeidung einer Infektion. Impfung und Vorsichtsmaßnahmen tragen dazu bei, dass Reisende so gesund aus dem Urlaub zurückkehren, wie sie es beim Reisestart waren“, betont Professor Manns.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Ist Gürtelrose gefährlich und wann empfehlen Ärzte eine Impfung?
02.08.2020

Ist Gürtelrose gefährlich und wann empfehlen Ärzte eine Impfung?

Karpaltunnelsyndrom: Wenn die Hände kribbeln und schmerzen
23.07.2020

Karpaltunnelsyndrom: Wenn die Hände kribbeln und schmerzen

Panikattacken: Extreme Angst aus dem Nichts
17.07.2020

Panikattacken: Extreme Angst aus dem Nichts

Finger weg von Wattestäbchen: So werden die Ohren trotzdem sauber!
15.07.2020

Finger weg von Wattestäbchen: So werden die Ohren trotzdem sauber!

Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder nicht?
13.07.2020

Nahrungsergänzungsmittel – sinnvoll oder nicht?

Jetlag: Diese Tricks vermindern die Beschwerden
10.07.2020

Jetlag: Diese Tricks vermindern die Beschwerden

Wenn nichts mehr geht: Der Kampf mit dem Burn-out-Syndrom
05.07.2020

Wenn nichts mehr geht: Der Kampf mit dem Burn-out-Syndrom

Zehn Anzeichen für eine Glutenunverträglichkeit
23.06.2020

Zehn Anzeichen für eine Glutenunverträglichkeit

Grüner Tee hält das Gehirn fit
19.06.2020

Grüner Tee hält das Gehirn fit

Welche gesundheitlichen Gefahren bergen Piercings?
18.06.2020

Welche gesundheitlichen Gefahren bergen Piercings?

Was uns Mediziner verschweigen
13.06.2020

Was uns Mediziner verschweigen

Schlaganfall: Wieso jede Minute zählt!
13.06.2020

Schlaganfall: Wieso jede Minute zählt!

Was sich beim Tourette-Syndrom im Gehirn abspielt
10.06.2020

Was sich beim Tourette-Syndrom im Gehirn abspielt

Hirntumor erkennen: Welche Symptome sind typisch?
08.06.2020

Hirntumor erkennen: Welche Symptome sind typisch?

Chronische Schmerzen: Was dahintersteckt und was hilft
04.06.2020

Chronische Schmerzen: Was dahintersteckt und was hilft

Milch: Ist ihr schlechter Ruf berechtigt?
01.06.2020

Milch: Ist ihr schlechter Ruf berechtigt?