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Alkohol in Speisen: Wie gefährlich sind schon kleine Mengen?

Pralinen, Risotto, Torten – Alkohol ist nicht nur ein beliebtes Getränk, sondern gibt auch vielen Speisen eine feine Note. Doch für Schwangere, Kinder und trockene Alkoholiker können schon geringe Mengen schwerwiegende Folgen haben. Wer darf was noch essen?

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„Ein Gläschen Sekt ist doch nicht schlimm“, diese Worte hört man selbst von werdenden Müttern. Eine fatale Einstellung: „Schon ein einziger erhöhter Alkoholkonsum reicht aus, um die Gesundheit des werdenden Kindes zu gefährden“, warnt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Und zwar in jeder Phase der Schwangerschaft.

Denn sobald sich die befruchtete Eizelle in der Gebärmutter eingenistet hat, also circa zehn bis 14 Tage nach der Befruchtung, wird der wachsende Embryo über den Blutkreislauf der Mutter versorgt. Neben Sauerstoff und Nährstoffen gelangt auch Alkohol auf diesem Weg in den Körper des ungeborenen Kindes. Innerhalb weniger Minuten hat es den gleichen Alkoholspiegel wie die Mutter. Die Folgen sind gravierend: Der Alkohol stört die Zellteilung und -vermehrung und führt so zu Wachstumsstörungen, nervösen Auffälligkeiten und geistigen Entwicklungsstörungen beim Kind. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) steigt durch den Alkoholkonsum zudem das Risiko für Früh- und Totgeburten und eine spätere Alkoholabhängigkeit des Kindes. 

Kein Alkohol für Schwangere, Stillende und Kinder

„Sobald Sie wissen, dass Sie Mutter werden, sollten Sie unbedingt auf alkoholische Getränke verzichten“, betont die BZgA. Eine Schwellendosis für Alkohol, ab der das Baby keinen Schaden davon trägt, konnten Experten bisher nicht ausmachen. „Es gibt keine Alkoholzufuhrmenge, die als ‚sicher‘ für das ungeborene Kind angesehen werden kann“, warnen die Fachleute der DGE. Der beste Rat ist daher der völlige Verzicht auf Alkohol während der gesamten Schwangerschaft.

In der Stillzeit sollten Frauen von Rotwein und Co. ebenfalls die Finger lassen. Der Alkohol gelangt nämlich nicht nur ins Blut, sondern auch in die Muttermilch. Dies gefährde unter anderem einen erholsamen Schlaf-Wach-Rhythmus des Kindes und erhöhe das Risiko, dass das Kind später eine Alkoholabhängigkeit entwickele, warnt die BZgA.

Und auch nach dem Stillen sollten Kinder natürlich keinen Alkohol trinken oder essen. Denn ihr Körper ist extrem anfällig für Schädigungen durch Alkohol. Die Leber der Kleinen kann die Giftstoffe nur bedingt abbauen – schon zwei Esslöffel hochprozentiger Schnaps können schwere Vergiftungen hervorrufen, berichtet die BZgA.

Alkoholabstinenz – ein schwieriges Unterfangen

Der Verzicht auf Alkohol bei Schwangeren und Stillenden wird in der heutigen Gesellschaft normalerweise nicht hinterfragt. Anders ist dies bei Männern und nicht Schwangeren. Ein Bier nach der Arbeit, ein Sekt zum Firmenjubiläum – wer hier nein sagt, wird oft schief angeschaut. 

Besonders schwierig ist dies für sogenannte trockene Alkoholiker. Die ehemaligen Alkoholabhängigen, welche erfolgreich eine Entgiftung und Entwöhnung durchlaufen haben, versuchen in der Regel gänzlich auf Alkohol zu verzichten. Dies fällt ihnen meist leichter als ein reduzierter Konsum und beugt einem Rückfall vor. 

Nein, Danke!

Zehn Gramm Alkohol, also etwa 250 Milliliter Bier, für gesunde Frauen und 20 Gramm für Männer – das ist laut DGE, die maximal tolerierbare Alkoholmenge pro Tag. Täglich sollte diese allerdings nicht getrunken werden. Berechnet wird die Alkoholmenge wie folgt: Menge in Milliliter x (Alkoholgehalt in Volumenprozent / 100) x 0,8 = Gramm reiner Alkohol. Wer also 20 Milliliter Tequila mit 38 Volumenprozent trinkt, nimmt 6,1 Gramm Alkohol zu sich (20 ml x (38 / 100) x 0,8 = 6,1 g Alkohol).

Doch heutzutage verzichten immer mehr Menschen freiwillig ganz auf Alkohol. Die Hintergründe der Entscheidung sind vielfältig: ein Alkoholiker in der Familie, eine gefährliche Situation unter Alkoholeinfluss, der religiöse Glauben oder einfach der Wunsch gesünder und bewusster zu leben.

Apfelsaft, Kuchen, Bratensauce

Ob Schwangere, Stillende, trockene Alkoholiker oder überzeugte Nichttrinker: Wer den Entschluss gefasst hat, die Finger von Alkohol zu lassen, muss auf der Hut sein. Denn in erstaunlich vielen Lebensmitteln ist, wenn auch meist nur geringe Mengen, Alkohol enthalten – oft nicht etwa zum Geschmack, sondern als Konservierungsstoff. Auf der Zutatenliste findet man diesen häufig unter der Bezeichnung Ethanol, Etyhlalkohol oder Trinkalkohol und bei sehr geringen Mengen oft auch gar nicht. Hinzu kommt eine Palette von Nahrungsmittel, wie etwa Apfelsaft, der infolge eines natürlichen Gärungsprozesses Alkohol beinhaltet. „Dieser natürliche Alkoholgehalt wird meist als unbedenklich eingestuft, da er selten 0,3 Volumenprozente übersteigt und geschmacklich nicht an Alkohol erinnert“, schreibt das Verbraucherportal (VIS) des Bayerischen Staatsministeriums für Umwelt und Verbraucherschutz

Was viele nicht wissen: Auch beim Kochen und Backen verflüchtigt sich der Alkohol nicht vollständig. „Nach 30 Minuten Garzeit können noch immer 35 Prozent der zugegebenen Alkoholmenge vorhanden sein“, so die Experten von VIS. Zwar verdunstet reiner Alkohol schon bei 78 Grad Celsius, aber beim Kochen verbindet er sich mit dem Fett und das hält die Alkoholmoleküle im Essen fest. Die Bildergalerie zeigt, in welchen Produkten Alkohol versteckt sein kann und ob es gefährlich ist.

© iStock-kitzcorner

Was ist noch erlaubt?

Doch wer darf, was nun noch essen? Schwarzwälder Kirschtorte, die einen guten Schuss Kirschwasser enthält, Risotto, das mit viel Weißwein zubereitet wurde oder Pralinen mit Champagner sollten Schwangere, Stillende und Kinder nicht essen. Also Produkte, die zwar keine riesigen aber dennoch kritische Mengen Alkohol enthalten. Anders ist dies bei Lebensmitteln wie Brot, Apfelsaft oder normales Sauerkraut, die nur Spuren an Alkohol bergen – in normalen Mengen stellen sie vermutlich kein Problem dar. So schadet auch ein alkoholfreies Bier in der Schwangerschaft nicht, wenn es beim gelegentlichen Konsum bliebe, schreibt das Bundeszentrum für Ernährung.

Für trockene Alkoholiker kann dagegen auch ein alkoholfreies Bier eine Gefahr darstellen. „Es wird angenommen, dass bei ihnen, bereits minimale Mengen und selbst der Geruch davon zum Rückfall führen kann“, so die Experten von VIS. Viele Experten und Selbsthilfegruppen warnen daher ehemalige Alkoholiker auch vor Produkten mit sehr geringen Mengen Alkohol und welche auch nur danach schmecken – darunter „alkoholfreie“ Getränke, gegorene Fruchtsäfte, Kefir und Weinessig.

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