Alternative Heilmethoden

Akupunktur: So lindern die Nadeln Schmerzen, Übelkeit und Co.

Seit vielen Jahren wird Akupunktur in westlichen Ländern immer beliebter. Die kleinen Stiche sollen den Energiefluss im Körper normalisieren und so Schmerzen, Übelkeit und Co. lindern. Wie kann das funktionieren?

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Akupunktur entstammt der Traditionellen chinesischen Medizin und wird schon seit Jahrtausenden betrieben. Die kleinen Nadeln sollen den Heilungsprozess im Körper anstoßen und unterstützen. Der Grundgedanke dieser Methode: In unserem Körper gibt es Leitbahnen (Meridiane) in denen die Lebensenergie (Qui) fließt. Insgesamt zwölf dieser Bahnen bringen die Energie zu unseren Organen. Zudem gibt es noch weitere kleinere Meridiane. Beschwerden wie Schmerzen führen die Anhänger der Akupunktur auf Blockaden im Energiefluss und auf ein „zu viel oder zu wenig“ an Energie zurück. Feine Nadelstiche an den rund 400 Haupt-Akupunkturpunkten auf den Meridianen sollen diese Störungen beheben. Zusätzlich nutzen die Akupunkteure weitere hunderte Punkte an denen die Nadeln Wirkung entfalten können.

Nadeln verändern die Gehirnaktivität

Wie genau die kleinen Stiche wirken, ist wissenschaftlich noch nicht ganz geklärt. „Die heilende Wirkung kommt u.a. dadurch zustande, dass der stimulierende Reiz der Nadeln im Gehirn eine vermehrte Ausschüttung schmerzlindernder und stimmungsaufhellender Substanzen auslöst, die oft auch als ‚Glückshormone‘ bezeichnet werden. Dazu gehören das Serotonin, körpereigene Morphine wie das Endorphin sowie die Enkephaline“, berichtet die Deutsche Ärztegesellschaft für Akupunktur (DÄGfA). In einer Kernspintomografie kann man die Wirkung der Nadeln heute nachweisen: Es zeigt sich eine erhöhte Hirnaktivität in dem Areal, das mit dem stimulierten Akupunkturpunkt in Verbindung steht. 

Verschiedene Studien, darunter die bislang größte Untersuchung mit mehr als 250.000 Patienten (ART- und GERAC-Studie), zeigen unter anderem, dass Akupunktur bei chronischen Rücken-, Kopf- und Gelenkschmerzen hilft. Weitere häufige Einsatzgebiete sind: Übelkeit, Hitzewallung, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Atemwegsinfektionen, Zahnschmerzen, Heuschnupfen und psychische Erkrankungen. 

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Versuch ohne Risiko

Im Gegensatz zu Medikamenten haben die feinen Stiche mit sterilen Einmalnadeln kaum Nebenwirkungen – ein kleiner Picks, eventuell winzige Blutergüsse oder kurze Kreislauf-Probleme sind allerdings möglich. Gerade in der Schwangerschaft, wo Medikamente kritisch sind, wird daher die Akupunktur immer beliebter. Sie kann gegen die morgendliche Übelkeit, Rückenschmerzen als auch bei der Geburtsvorbereitung und Geburt selbst helfen.

Vor der ersten Akkupunktur-Behandlung steht ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt oder Heilpraktiker sowie eine körperliche Untersuchung an. Dabei versucht der Therapeut, die Ursache für die Beschwerden zu finden – nur so kann er die richtigen Akkupunkturpunkte bestimmen. Aber nicht nur der korrekte Punkt ist entscheidend, sondern auch die Nadeltechnik. Sie kann Qui-aufbauend und -abbauend sein. Bei Schmerzen beispielsweise kommt die abbauende Technik zum Zuge. Der Therapeut sticht die Nadel schnell ein und bewegt sie hin und her – teils werden die Nadeln auch erhitzt (Moxibustion) oder mit Reizstrom versehen. Ebenfalls wichtig ist die Atmung. Anregend wirken die Nadeln, wenn sie beim Ausatmen eingestochen werden und beruhigend beim Einatmen. 

Täglich, wöchentlich oder dauerhaft

Wer akute Beschwerden wie Husten hat, kann täglich akkupunktiert werden. Chronische Probleme werden dagegen meist einmal die Woche behandelt. Dabei bleiben die Nadeln zwischen 20 und 30 Minuten in der Haut. Bei chronischen Beschwerden setzt der Akupunkteur teils auch Dauernadeln an den Ohren, die mehrere Tage in der Haut verbleiben. Wie schnell die Nadeln Wirkung zeigen, ist sehr unterschiedlich und hängt unter anderem von der Länge der Beschwerden ab. Teils ist erst ab der dritten bis sechsten Sitzung eine Verbesserung zu spüren.

Seit einigen Jahren übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen für bestimmte Krankheitsbilder (z.B. chronische Schmerzen der Lendenwirbelsäule und Kniegelenksarthrose, die bereits sechs Monate bestehen) die Kosten für bis zu zehn Stunden (in Ausnahmefällen auch 15). Allerdings gilt dies nur für Behandlungen bei speziell ausgebildeten Ärzten nicht hingegen bei einem Heilpraktiker. Viele Krankenkassen bezuschussen aber auch bei anderen Beschwerden die Behandlung – nachfragen lohnt sich. 

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